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Probleme der jüngeren tektonisch-morphologischen Entwicklung Süddeutschlands

Becksmann, E.

Kurzfassung

Die in unserem Raum zur Klärung der jungen Krustenbewegungen benützte Schichtisohypsenkarte beruht mangels brauchbarer jüngerer Ablagerungen auf der Schichtlagerung des Juras und vor allem der Trias. Sie spiegelt also die Summe aller seitherigen Bewegungen wider. Bei Untersuchungen über die jüngere erdgeschichtliche Entwicklung vor allem des Odenwald-Raumes, die von der Klärung der Anlage des einstigen Mauerer Neckarlaufs [diese Zeitschr. 110 (1958), 6 f.] ausgingen, erwies sich das die Höhen überziehende Flachrelief, das im älteren Pliozän, vielleicht schon um die Wende Mio-Pliozän angelegt wurde, als wertvolles Hilfsmittel. Diese jüngere Bezugsfläche erlaubt nicht nur, die Krustenbewegungen zeitlich und quantitativ so zu entmischen, daß die plio-pleistozänen in ihrer Bedeutung klar zu erfassen sind. Es ist mit ihrer Hilfe auch möglich, "paläogeologische" Karten der Wende Mio-Pliozän und Schichtlagerungskarten dieser Zeit zu entwerfen und damit die jüngere tektonischmorphologische Entwicklung noch anschaulicher zu erfassen. Es ist besonders wertvoll, daß auf diesem Flachrelief die korrelaten Böden (Molkenpodsol auf Buntsandstein, Pelosol auf Mergelsteinen und Terra fusca auf Kalksteinen des Muschelkalks) in erheblicher Verbreitung noch erhalten sind, so daß bei der Ansprache der Bezugsfläche im Gelände zu den morphologischen Kriterien paläopedologische sichernd hinzutreten. Der schon vorpliozän am höchsten herausgehobene westliche Odenwald wird von einem Kranz von Restbergen als nicht ganz bewältigten Überresten einstigen höheren Reliefs umrahmt. In der Wasserscheidenregion zwischen unt. Main und unt. Neckar gelangt man ohne Stufen vom Buntsandstein bis in den Unt. Keuper. Schichtstufen setzen aber sofort ein, wo Reliefneubelebung im Gange ist und das Flachrelief zerstört. Diese Reliefneubelebung geht von den Haupttälern aus, die ihre heutige Tiefe bereits um die Wende Plio-Pleistozän erreicht hatten. Die aus klimamorphologischen Überlegungen gezogene Folgerung, daß die Zertalung der tertiärzeitlichen Flachlandschaft erst mit dem pleistozänen Klimaumschwung einsetze, steht mit eindeutigen geologischen Befunden (Felssohle des Mauerer Neckarlaufs an der Wende Plio-Pleistozän nur 5 m über heutigem Neckarspiegel, tief liegendes Altpleistozän im Maintal) im Widerspruch.