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Eine vulkanische Tufflage aus der Oberkreide von Hemmoor, Niederelbe

Valeton, Ida

Kurzfassung

In der Oberkreide von Hemmoor tritt eine tonige Lage - das Tonband - auf, welche nach der stratigraphischen Gliederung von F. SCHMID (1955) in das obere Untermaastricht zu stellen ist. Das Tonband ist eine 2-5 cm dicke, dunkelgraue Schicht, welche diffuse Begrenzung, schwankende Mächtigkeit und unregelmäßig linsige bis lagige Textur aufweist. Nach der Korngrößenverteilung ist das Material des Tonbandes als Grobton mit großem Feinsandanteil anzusprechen. Die klastische Komponente setzt sich zusammen aus: a) Feinsandfraktion 1. 38-40% Feldspat: Andesin-Oligoklas mit Zwillingslamellen, 2. 1% Glimmer: frischer Biotit, 3. 55% Gesteinsstücke: Eruptivgesteinsmaterial mit Feldspatleisten, glasiger Grundmasse und intersertalem Gefüge, 4. 1% vulkanischem Glas von andesitischer Zusammensetzung. b) Tonfraktion 1. Vorherrschend illitische Tonminerale, 2. Montmorillonit und Wechsellagerungen Montmorillonit-Illit. An diagenetischen Veränderungen wurden Korrosionserscheinungen, Pseudomorphosen von Calcit nach Feldspat und Eisensulfidausscheidungen beobachtet. Mineralzusammensetzung und Gefüge des Gesteins sprechen für tuffogenes Material andesitischer Zusammensetzung. Die Frage nach der Herkunft des Materials ist schwer zu beantworten. Es sind einerseits der Skagerrak- und Schonenvulkanismus - älteste Zeugen bisher Eozän 1 - und andererseits Kontaktwirkung um das Bramscher Massiv und Gänge um das Lingener Massiv - Postwealdenalter - bekannt. Ferner wurden oberkretazische Tuffe und Tuffite aus Polen und Rumänien beschrieben, die in Beziehung zum oberkretazischen Vulkanismus in der Außenzone der Karpatengeosynklinale gebracht werden. Vergleichende Untersuchungen anderer Tonlagen aus der nordwestdeutschen Oberkreide ergaben stets einen Montmorillonitgehalt. Spezifische Anzeichen für tuffogene Herkunft fehlen jedoch bisher.