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Bewegungsablauf im Bereich der Moselmulde während der variszischen Tektogenese

Hoeppener, R.

Kurzfassung

Ein tektonisches Querprofil durch die Moselmulde läßt eine Gliederung des Gebietes in streichende Zonen erkennen, die sich durch die Lage der Faltenachsen- und Schieferflächen unterscheiden. Im NW, in der Eifel, fallen diese beiden Elemente mit etwa 70° nach SE ein. Diese Lage stellt einen Durchschnittswert für die N-vergenten Teile des Rheinischen Schiefergebirges dar und kann somit als "Normallage" bezeichnet werden. Südlich der Mayener Überschiebung treten Zonen auf, in denen die Abweichung von der Normallage bis fast 90° betragen kann. Diese Zonen werden, im NW beginnend, mit I-IV bezeichnet. Sie sind durch Vergenzfächer bzw. -meiler voneinander getrennt. Die Zone I ist extrem N-vergent. Der Faltenbau weist kurze, überkippte N-Flügel und lange, flachliegende S-Flügel auf. Neben Überschiebungen nach NW konnten zahlreiche, meist parallel zur Schieferfläche verlaufende Abschiebungen beobachtet werden. Die Zone II ist S-vergent. Die Faltenform ist die gleiche wie in der Zone I, doch liegen die kurzen, oft verdickten N-Flügel flach, während die langen, gestreckten S-Flügel überkippt sind. Aufschiebungen sind sehr selten, dagegen in den Schieferflächen liegende Abschiebungen überaus häufig. Die SE-Begrenzung der Zone II folgt ungefähr dem Muldentiefsten des Synklinoriums. Die Zone III ist N-vergent, Faltenachsen- und Schieferflächen liegen oft nahezu horizontal. Das Gefüge gleicht dem der Zone I. Im SE tritt eine zweite Schieferung auf. Die Zone IV ist S-vergent und stimmt in der Lage des tektonischen Inventars mit der Zone II überein. Außerdem ist die zweite Schieferung in dieser Zone gut entwickelt. Eine Gefügeanalyse läßt zwei Bewegungsabschnitte erkennen, die sich teilweise überschneiden. Die Gefüge des ersten Abschnittes - Falten, Flächen der ersten und zweiten Schieferung, Überschiebungsflächen - zeigen in allen Zonen die gleiche Anordnung, wenn man die Schieferflächen als Bezugselement wählt, sie also in die Normallage rotiert. Für die Gefüge des zweiten Abschnittes - Abschiebungsflächen, Flexuren - bilden dagegen die Vergenzfächer und -meiler Symmetrieebenen; sie liegen in jeder Zone spiegelbildlich zu den Nachbarzonen. Es ergibt sich der folgende Bewegungsablauf: 1. a) Faltung und erste Schieferung im Hunsrück, schwache Faltung in der Eifel. b) Faltung und zweite Schieferung im Hunsrück, Faltung und erste Schieferung in der Eifel. 2. a) Rotation der Schieferflächen in die heutige Lage unter abschiebenden Bewegungen auf den Schieferflächen und älteren Verschiebungsflächen. b) Einsinken des Wittlicher Rotliegendgrabens.