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Höhlen und Höhlenforschung in den bayerischen Alpen

Treibs, W.

Kurzfassung

Die höhlen- und karstkundliche Erforschung der bayerischen Alpen wurde bisher, verglichen etwa mit dem ausgedehnten Höhlengebiet der Frankenalb oder den österreichischen Karsthochplateaus, ziemlich vernachlässigt. Das hatte wohl seinen Hauptgrund darin, daß die Höhlen in den bayerischen Alpen fast alle ziemlich schwierig zu befahren sind, aber einerseits nicht den reichen Tropfsteinschmuck der fränkischen und andererseits nicht die ungeheuren Ausmaße zahlreicher österreichischer Höhlen besitzen. Das wiederum liegt im geologischen Bau der bayerischen Alpen begründet, denn anstatt der großen Kalkplateaus der österreichischen Alpen mit ihren mehrere 100 m mächtigen, einheitlichen Kalkstein-Serien haben wir hier mit nur wenigen Ausnahmen (Gottesackerplateau, Zugspitzplatt, Berchtesgadener Alpen) Faltengebirgszüge mit mehr oder weniger steilstehenden, weniger mächtigen und petrographisch recht verschiedenen Schichten vor uns, so daß allein schon deswegen die Voraussetzungen für weit ausgedehnte Höhlensysteme fehlen. So sind in den letzten Jahrzehnten nur hin und wieder intensivere speläologische Untersuchungen in den bayerischen Alpen durchgeführt worden, wie von H. CRAMER, R. SPÖCKER, B. WOLF sowie Mitgliedern des Landesvereins für Höhlenkunde, Salzburg. Nur drei Höhlen sind gegenwärtig der Allgemeinheit als Schauhöhlen zugänglich: die Sturmannshöhle bei Oberstdorf (Allgäu), die Wendelstein-Höhle bei Brannenburg (Obb.) und die Schellenberger Eilhöhle im Untersberg bei Berchtesgaden. Der Verein für Höhlenkunde in München hat sich nun die karst- und höhlenkundliche Bearbeitung der bayerischen Alpen zum Ziel gesetzt und die seit seiner Gründung im Jahre 1954 geleisteten Arbeiten zeigen, daß die diesbezüglich stiefmütterliche Behandlung dieses Gebietes ganz zu Unrecht geschah. Über die Ergebnisse etwa 4jähriger Tätigkeit dieses Vereins berichtete der Vortragende an Hand zahlreicher, von den Mitgliedern K. THEIN und A. TRILLER zur Verfügung gestellter Farbdias. Im Alpenvorland wurden mehrere Höhlen bearbeitet, welche sich in größeren Kalktuff-Lagern an den Rändern des Ammertales und des Mangfall-Tales befinden. Sie enthalten sehr zahlreiche, zwar kleine, aber sehr mannigfaltig geformte Tropfsteine und Wandsinter, zum Teil auch Wasserstandsmarken in Form interessanter Laugungshorizonte. Leider sind in der interessantesten dieser Höhlen durch die Unvernunft von Besuchern starke Zerstörungen angerichtet worden.