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Die Entwicklung der subvariszischen Vortiefe

Teichmüller, R.

Kurzfassung

Sedimentologische Untersuchungen, die im Unterkarbon des Rheinischen Schiefergebirges und im Oberkarbon des Ruhrgebietes i. w. S. gemeinsam mit E. PAPROTH durchgeführt worden waren und über die in den C. R. des 4. Internat. Kongresses für Karbon-Stratigraphie und -Geologie in Heerlen berichtet werden wird, ergaben einen Überblick über die Entwicklung der subvariscischen Saumsenke. Wie es bei Vortiefen die Regel ist, war auch die subvariscische Vortiefe unsymmetrisch: der interne Rand ist wesentlich steiler als der externe (vorlandwärtige). Im Unterkarbon spiegelten sich die Reliefunterschiede noch sehr deutlich in der Sedimentation wider. Im Oberkarbon war dagegen die Reliefenergie innerhalb der Saumsenke selbst minimal geworden. Erst in diesem relativ späten Stadium konnten ausgedehnte Küstenmoore entstehen. Sie lagen zwischen fluviatilen Schuttfächern einerseits und Brackwasserseen andererseits. Die ganze Ablagerungsfolge wird bestimmt durch den Rhythmus der bald mehr, bald weniger weit vorstoßenden fluviatilen Schuttfächer. Dieser Rhythmus hängt seinerseits offenbar mit einer ruckweisen Anfaltung und Hebung des Hinterlandes zusammen: Jeder Anfaltung entspricht ein Vorstoß der klastischen Fazies in den sinkenden Trog - jeder orogenen Pause eine Vermoorung und Überflutung, da die Senkung des Troges gleichmäßig fortschritt. Gemäß dem Wandern der Vortiefe verlagerten sich auch die Küstensümpfe und damit die Zone der Flözbildung allmählich immer weiter vorlandwärts. Während nun im oberschlesischen Kohlenbecken wie in vielen anderen Vortiefen die Flöze sich auf dem Vorlandschelf scharen, so daß sie - bei flacher Lagerung! - große Mächtigkeit erreichen, ist das im Ruhrkarbon nicht der Fall. Im Gegenteil: die jüngsten Bohrungen haben überraschenderweise gezeigt, daß Fazies und Mächtigkeit des Westfals nach N überraschend konstant bleiben. Nur die Kohlenführung des Namur nimmt nach NW rasch ab (vgl. KELLER 1934), wie überhaupt die ganze Mächtigkeit des Namurs in dieser Richtung stark reduziert