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Neuere Erkenntnisse über Entstehung und Bau der Eisenerzlagerstätte Lindenberg bei Münster/Oberlahnkreis

Dengler, H.

Kurzfassung

Die Eisenerzlagerstätte Lindenberg gehört zu den qualitativ besten und quantitativ größten Erzvorkommen der Lahnmulde. Sie liegt wenige hundert Meter nördlich des Taunusnordrandes in einem Gebiet, dessen oberdevonische Schichtenfolge gegenüber gleichaltrigen Schichten im Inneren der Lahnmulde eine andere fazielle Entwicklung aufweist (AHLBURGS südliche Randfazies). - Eine erste Bearbeitung des Erzvorkommens erfolgte 1952 durch DENCKEWITZ (Hess. Lagerstättenarch., 2, Wiesbaden 1952). Der Inhalt dieser Arbeit wird als bekannt vorausgesetzt. - Die nunmehr auf Grund mehrmonatiger Kartierungsarbeiten vorgelegten Ergebnisse weichen von der von DENCKEWITZ gegebenen Darstellung in wesentlichen Punkten ab. Das Liegende des Erzlagers bildet eine Schwelle tuffogenen Schalsteins, wie er überall im Liegendbereich der Roteisensteinlagerstätten an Lahn und Dill ausgebildet ist. Nur an einer Stelle innerhalb des Schalsteins, die DENCKEWITZ als Übergang vom Weilburgit-Mandelstein zum Weilburgit-Tektonit bezeichnet, ist auf kurze streichende Erstreckung ein brekziöser mandeliger Diabas dem Schalstein eingelagert. Das Hangende der Schalsteinfolge bildet das schwach gewölbte, z. T. nordvergente Erzlager, das auf etwa 950 m streichende Länge bei zwischen 250 und 400 m liegender Breite bauwürdig entwickelt ist. Im südwestlichen Teil der Lagerstätte ist das Erzlager durch einen während der Erzsedimentation erfolgten Erguß eines mandeligen Pillow-Diabases in einen liegenden und einen hangenden Lagerteil aufgespalten. - Geringmächtige Kalkstein-, Tonschiefer- und Tufflagen, die dem sedimentärschichtigen Erzlager im Beckenbereich ein- und aufgelagert sind, gestatteten eine Alterseinstufung des Erzlagers in die varca-Subzone der Conodonten-Parachronologie und somit in das oberste Givet. Es handelt sich also um ein Schalsteinlager. Über dem Erzlager ist wiederum ein tuffogener Schalstein zur Ablagerung gekommen, in den allerdings zahlreiche Bomben und Lapilli eingelagert sind. Dieser hangende Schalstein hat jedoch das Erzlager nur zu einem Teil überdeckt; ein etwa im Mittelteil des Vorkommens gelegener Bereich des Erzlagers ist frei von Schalsteinüberdeckung. Dieser Bereich und die sich an seinen Flanken mit zunehmender Mächtigkeit einschaltende hangende Schalsteinfolge bilden das Liegende einer Serie von schwarzblauen und schwarzgrauen pyrithaltigen Tonschiefern, die im unteren Teil eine Anzahl dünner Tuffbänder und auch schwarze bituminöse Kalksteinlagen führen. Altersmäßig beginnt diese Folge mit der ordinata-dubia-Subzone, also mit dem tiefsten Oberdevon. - In zwei verschiedenen Niveaus sind lagerartig körnige Diabase intrudiert, die kontaktmetamorphe Umwandlungen in den liegenden und hangenden Nebengesteinen hervorgerufen haben.