Original paper

Zur Schwellen- und Beckenfazies in der südwestlichen Dillmulde

Krebs, W.

Kurzfassung

Schon KEGEL (1934) und LIPPERT (1953) wiesen auf die Abhängigkeit der oberdevonischen Sedimente von dem unterschiedlichen mitteldevonischen Relief in der südwestlichen Dill-Mulde hin. Feinstratigraphische Profilaufnahmen in der Adorf-Stufe und die Gliederung des sedimentären Oberdevons mit Hilfe der Conodonten gaben für einige Schwerpunkte in der südwestlichen Dill-Mulde die Voraussetzungen für eine Rekonstruktion dieses mitteldevonischen Reliefs. Der mitteldevonische Vulkanismus, der in der südwestlichen Dill-Mulde schätzungsweise 500-700 m mächtige Tuffe und Diabase förderte, führte infolge der Überschreitung des normalen Sedimentationsbetrages zu einer Erhöhung des Meeresbodens und hinterließ am Ende des Givets ein lebhaft gegliedertes und unterschiedlich hohes submarines Relief. Eine weitere Differenzierung dieses Reliefs wurde auch noch durch in der Adorf-Stufe stattfindende vulkanische Vorgänge (Diabas-Ergüsse) hervorgerufen. Die Schwellen und Becken haben in der südwestlichen Dill-Mulde während des gesamten Oberdevons bis in das tiefere Unterkarbon die Fazies entscheidend beeinflußt. Eine Ausnahme bilden die Cephalopodenkalke der Bickener Schuppe, die bereits im tiefen Mitteldevon einsetzen und in keinem Zusammenhang mit dem mitteldevonischen Vulkanismus stehen. Mit den Begriffen Schwellen und Becken sollen nur morphologische Reliefunterschiede verstanden werden, die den Kalk-Ton-Anteil, Mächtigkeiten, Korngrößen, Oxydationsstufen, Sedimentationsbild, Faunenzusammensetzung usw. beeinflußt haben. Zur quantitativen Unterscheidung dieser Schwellen und Becken werden in der südwestlichen Dill-Mulde die Begriffe "Elemente 1., 2. und 3. Ordnung" vorgeschlagen. Diese Elemente unterscheiden sich nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch kennzeichnende qualitative Faziesmerkmale. Unter die Elemente 1. Ordnung fallen die Begriffe "Schwellen" und "Becken", wie sie von H. SCHMIDT (1926) aufgefaßt und eingeführt und von A. RABIEN (1956) petro- und biofaziell näher definiert wurden. Auf den Schwellen kamen entweder keine Sedimente oder Riff- und Cephalopodenkalke, in den Becken ± mächtige Sandsteine und Tonschiefer in der Fazies der Cypridinenschiefer zur Ablagerung. Das unruhige Relief des Untergrundes spiegelt sich aber nicht, nur im Gegensatz zwischen Schwellen und Becken 1. Ordnung wider, sondern bewirkt auch noch eine weitere Differenzierung beider Einheiten in kleinere Schwellen und Becken 2. Ordnung (etwa 100 m bis 1-2 km). Es kann also einmal der Fall eintreten, daß in der Adorf-Stufe ein Becken 2. Ordnung auftritt, in dem die Tuff-Fazies (Dillenburger Tuffe) zu größerer Mächtigkeit anschwillt, während das höhere Oberdevon in geringmächtiger Cephalopodenkalkfazies ausgebildet ist.