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Zur Geologie der Makaronesen: 4. Krustenkalke

Krejci-Graf, Karl

Kurzfassung

1. Zusammenfassung Die geographische Verbreitung der Krustenkalke auf den Makaronesen macht es wahrscheinlich, daß diese Krustenkalke sich nur bei Niederschlagsmengen bis zu etwa 300 mm, bei langen jährlichen Trockenheitsperioden und beim Fehlen einer durchgehenden Pflanzenbedeckung (HARTUNG 1864, S. 169) bilden. Auf den östlichen Inseln der Capverden scheint diese Bildung heute noch vor sich zu gehen. Sprühwasser des Meeres ist bei stärkeren Winden vorhanden, auf Madeira selbst 100 m über dem Meer noch als Nieselregen fühlbar. Auf einigen Canaren und dem Madeira-Archipel ist die Krustenbildung offenbar subfossil, wie sich aus ihrer Überdeckung durch andersartige Ablagerungen ohne Kalkkrusten ergibt. Falls die Kalkblättchen der Bohrung Sao José auf Santa Maria zu Kalkkrusten gehören, so sind diese hier ebenfalls subfossil. Die Lage des Grundwasserspiegels, die in Ebenen eine große Rolle bei der Krustenkalkbildung spielt (KNETSCH 1937), hat auf Vulkaninseln, bei meist geneigten Flächen, nicht diese Bedeutung. Windverwehtes Sprühwasser der Wellenkämme des Meeres, das am Festland nur einen schmalen Küstenstreifen erfaßt, spielt auf Inseln von der Größe der Makaronesen eine bedeutende Rolle. Zur Bildung der Krusten reicht aus, daß die episodisch gelieferte Feuchtigkeit zeitweise bis in das zersetzte Gestein unter dem Boden oder Sediment der Oberfläche eindringt. Das Aufsteigen erfolgt dann in den (der Dauer nach vorherrschenden) Trockenzeiten. Die Kalksande und kalkigen Tuffe der Makaronesen haben genug Kalk zur Bildung von Krusten aus sich; wo solchen Ablagerungen die Krusten fehlen, und sie als Ganzes zementiert erscheinen, herrschten offenbar andere Verhältnisse als die für die Bildung der Krusten nötigen. Im Anschluß an BROWN, und wegen der Konkretionierung der Sande um die Wurzeln der "versteinerten Büsche", möchten wir die Zementierung der Dünen-Kalkarenite für eine deszendente Erscheinung halten. In Übereinstimmung mit BOURCART können wir, wie für die Canaren so auch für den Madeira-Archipel und vielleicht für die Azoren, eine Klimaschwankung annehmen, deren trockenster Zeit die Bildung der Krustenkalke entspricht. Eine der heutigen Trockenzeit vorhergehende feuchte Zeit ist auf Sal (Pedra do Lume) belegt.