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Gesteinsspannungen und ihre technischen Auswirkungen

Kieslinger, A.

Kurzfassung

Aus dem unübersehbar großen Gebiet der Gesteinsspannungen sollen, dem Thema der Tagung "Steine und Erden" entsprechend, einige Fragen des Steinbruchbetriebes besonders herausgegriffen werden. Die Spaltbarkeit von Granit und ähnlichen Gesteinen ist - soferne es sich nicht um Schotterbrüche handelt - die unentbehrliche Voraussetzung für die Gewinnung der großen Rohblöcke aus der Steinbruchwand, für ihre weitere Zerteilung bis auf transportfähige Teilblöcke und für ihre weitere Verarbeitung. Dies gilt in erster Linie für ein so billiges Massenprodukt wie die Kleinsteinwürfel, aber auch für viele große Werkstücke (Gruftdeckel, Randsteine, Treppenstufen usw.) kann die Rohform in wirtschaftlicher Weise nur durch Spalten gewonnen werden. Ein nicht leicht spaltbarer Granit (z. B. weil er zu große Feldspate hat) scheidet also für viele Verwendungszwecke von vornherein aus. Die Erscheinungsform der Spaltbarkeit besteht bekanntlich darin, daß sich viele Granitarten nach bestimmten Ebenen sehr leicht und wesentlich besser spalten lassen als nach anderen, daß also gewissen Flächenstellungen eine bevorzugte "latente Teilbarkeit" (H. CLOOS) zukommt (eine Fläche hat keine "Richtung", sondern eine "Stellung" im Raum). In Kenntnis dieser Flächenstellungen werden von den Arbeitern bestimmte Linien entlang Keile eingesetzt, und zwar in nicht sehr tiefen, taschenförmigen "Keilbüchsenlöchern". Ein sanftes und gleichmäßiges Antreiben der Keile bewirkt ein Aufreißen von großen und oft überraschend ebenen Spaltungsflächen. Die erforderlichen Abstände der Keile usw. sind Erfahrungssache und in jedem Bruche anders.