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Zur Geologie und technischen Verwendung des Dachschiefers

Engels, Br.

Kurzfassung

Einleitend wurde besonders auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Dachschieferindustrie hingewiesen, z. T. bedingt durch geologisch sehr komplizierte Lagerungsverhältnisse, deren Erforschung bislang höchst unzureichend erscheint. Nach einem kurzen Überblick über die allgemeinen geologischen Verhältnisse in Nordamerika (Pennsylvanien) und Westeuropa (England-Wales, Norwegen, Ardennen, Portugal, Italien und Deutschland) wurden an Hand von eigenen, größtenteils unveröffentlichten Grubenaufnahmen (Quer- und Längs-Profile, Strukturkarten und Blockdiagramme) die vor allem geologisch bedingten Schwierigkeiten beim Abbau des Dachschiefers im südlichen Rheinischen Schiefergebirge, Harz und Thüringer Wald dargelegt: Verhalten der Gesteinsfazies, komplizierter Faltenwurf, wechselnde Intensität der Schieferung, "Längstörungen" in Form von Auf- bzw. Überschiebungen und Drehverschiebungen sowie Abschiebungen ("Untervorschiebungen"), diagonal zum "tektonischen Streichen" verlaufende Blatt- bzw. Seitenverschiebungen neben Schrägabschiebungen, "Querstörungen" (Q-Abschiebungen und Q-Klüfte), Verquarzungserscheinungen m Form von "Kauber-Walzen", "Quarzwänden" und Fiederspalten, Knitterungszonen, Schubklüftung und andere Kluftbildungen. Der Dachschiefer eignet sich auf Grund seiner hohen Festigkeit gegenüber physikalischen und chemischen Einwirkungen nicht nur in vorzüglicher Weise für Bedachungszwecke, sondern auch auf fast allen anderen Sektoren des Bauwesens sowie in Laboratorien und sanitären Anlagen; infolge seiner geringen elektrischen Leitfähigkeit verwendet man ihn vielfach auch beim Bau elektrischer Anlagen (als Schalttafel u. dgl.). Die bei der Gewinnung und Verarbeitung anfallenden Abfallprodukte (60-90% i.D.) haben dem Dachschiefer-Bergbau schon immer besondere Schwierigkeiten bereitet. Eine günstige Verwertung dieser "Abfälle" (riesige Haldenbestände) ist für viele Grubenbetriebe inzwischen zu einer entscheidenden Existenzfrage geworden. In diesem Sinne bemüht man sich heute mehr denn je um zahlreiche weitere technische Verwendungsmöglichkeiten: Zum Beispiel zur Herstellung von Schwerbeton-Steinen, desgleichen von Leichtbeton-Steinen mit Hilfe des sog. "Blähschiefers" (künstlicher Bimsstein aus Tonschiefer), von Gesteinswolle ("Schieferwolle"), von Dachpappe u. dgl. unter Zugabe von zerkleinertem bzw. gemahlenem Schiefer; Schiefermehl und Schieferkörner stellen bereits ein bewährtes Füllgut dar, z. B. bei der Herstellung von Kitt, Wandverkleidungen, Grammophonplatten, Blei- und Farbstiften, grobem Papier (Löschpapier), Holzzement, Schleif- und Poliermaterial, Plastikmassen, Ziegeln, feuerfesten Steinen, Tonwaren, verschiedenen Gummiprodukten, Kunstleder, Farben, Zahnpasten, Explosivstoffen usw.