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Die technische Bedeutung der Kalksteinvorkommen im bergischen Raum

Wuhrer, J.

Kurzfassung

Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts begonnen wurde, die riesigen Kohlevorkommen an der Ruhr zu erschließen, wandte sich auch bald die Eisen- und Stahlindustrie zu diesen neuen Fundorten. Diese Industrie erlebte dann bis zur Jahrhundertwende durch die Erfindung des Thomas- und des Siemens-Martin-Verfahrens einen sich fast überstürzenden Aufstieg. Während 1850 die deutsche Roheisenerzeugung noch etwa 800 000 t betrug, lag sie im Jahre 1900 bei 10 Millionen Tonnen, wovon die größte Menge zu Stahl weiterverarbeitet wurde. Dabei fiel auf das Ruhrgebiet ein beträchtlicher Anteil dieser Produktion. Ich erwähne die Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie, weil damit der Aufstieg der Kalkindustrie eng verbunden ist, denn für Eisen und Stahl braucht man Kalk, für Roheisen braucht man Kalkstein und zur anschließenden Stahlgewinnung zusätzlich noch Branntkalk. Dabei sind die jeweils erforderlichen Mengen nicht gering. Für eine Tonne Roheisen rechnet man je nach dem Gehalt an Gangart bis zu 300 kg, im Mittel etwa 250 kg Kalkstein, der in faustgroßen Stücken - den sogenannten Hochofenschrotten - zugesetzt wird. Dazu möglich. Dabei entscheidet aber die günstige Lage dieser Vorkommen und die billige Erzeugung für die Verwendung des Kalksteins. Wie Tabelle 5 zeigt, werden von vier großen Werken der Kalkindustrie im Bergischen Raum Jährlich 4,6 Mio t ungebrannte Erzeugnisse und 2,0 Mio t gebrannte Produkte abgesetzt, das sind 41% bzw. 32% der über 200 Werke im Bundesgebiet. Die Eisen- und Stahlindustrie des westlichen Ruhrgebietes verbraucht davon knapp die Hälfte, der übrige Anteil geht zu den anderen Industriezweigen.