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Ergebnisse kleintektonischer Untersuchungen in den nördlichen Kalkalpen 1. Hasenfluh- und Hornbachgebiet (Lechtaler bzw. SE-Allgäuer Alpen)

Engels, Bruno

Kurzfassung

Zusammenfassung Sowohl im Gebiet der Hasenfluh als auch des Hornbachs deuten die kleintektonischen Strukturen im wesentlichen auf ein durchlaufend nordvergentes Verhalten der Faltung und Schieferung sowie der eng- und weitständigen Scherflächen einschließlich der Überschiebungen und Abscherungen hin. Unter anderem finden sich örtlich nordwärts abtauchende Falten, so daß die Tektonik z. T. "freien" Charakter annimmt und dadurch besondere Komplikationen aufweist, z. B. in Form scheinbarer S-Vergenz. Letztere kann z. T. jedoch auch auf Rückstau infolge schubbrettartiger Durchspießung im Sinne von E. KRAUS zurückgehen. Jedenfalls ist eine Aufteilung in Schollen, Schuppen, Späne und dergleichen sicher. Diese erscheinen häufig in sich gefaltet, gefältelt, eng- und weitständig zerschert, ferner an großen Gleitbahnen nach verschiedenen Richtungen (W, NW, N, NE und E) bewegt und schließlich auch noch an diagonalstreichenden Blatt- und Seitenverschiebungen sowie querverlaufenden Ab- und Aufschiebungen vielfältig zerlegt. Während an der Hasenfluh die Hauptüberschiebung recht komplizierte Faltenformen annimmt, scheinen im Hornbachgebiet verhältnismäßig "ebene" Gleitbahnen vorzuherrschen. Das Mindestmaß der relativen Verfrachtung nach N beträgt 1,5 bzw. 5 km; wahrscheinlich ist dieser Betrag jedoch wesentlich größer. Die kleintektonischen Untersuchungen führen somit ziemlich eindeutig zu dem Ergebnis, daß die Hasenfluh höchstwahrscheinlich eine allochthone "Klippe" ist und daß der beschriebene Teil des Hornbachgebiets ein tektonisches "Fenster", z. T. sogar ein "Doppelfenster" darstellt.