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Aragonit-Sinter als geologisches Thermometer

Holz, Hans-Werner

Kurzfassung

Im Oberbergischen Land (Rheinisches Schiefergebirge) liegen etwa 50 km östlich von Köln die Höhlen von Ründeroth und Wiehl. Sie wurden in verschieden alten mitteldevonischen Korallenkalken ausgewaschen. Eine eingehende Beschreibung beider Höhlen gab H.-W. HOLZ (1960). Auffallend ist die unterschiedliche Ausbildung des Sinters in den nur wenig (9 km) voneinander entfernten Höhlen. Pulveraufnahmen im Röntgengoniometer zeigten, daß Tropfsteine und Sinterkrusten in Wiehl nur aus Kalkspat bestehen, während sie sich in Ründeroth nur aus Aragonit - z. T. in der Tracht der Eisenblüte - aufbauen. G. W. MOORE (1956) verwandte Sinterbildungen aus Aragonit als Indikatoren für Paläotemperaturen, wobei er zugrunde legte, daß Aragonit unter Normalbedingungen die bei höheren Temperaturen gebildete Modifikation des Kalziumkarbonates ist. Bei dem Versuch, diese Methode auch auf die oberbergischen Höhlen anzuwenden, ergaben sich Schwierigkeiten. G. W. MOORE gibt als Grenztemperatur für die Bildung von Aragonit und Kalzit eine mittlere Jahrestemperatur von 60° F (= 15,6° C) an. Für das Postglazial sind solche Temperaturen in Mitteleuropa nicht bekannt (M. SCHWARZBACH 1950). Ob auch während oder sogar vor dem Pleistozän in den oberbergischen Höhlen Sinter abgeschieden wurde, ist nicht sicher zu ermitteln. Doch auch für Aragonitbildungen der Ründerother Höhle aus diesen Zeiten könnten höhere Temperaturen nicht verantwortlich gemacht werden.