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Zur Gliederung des Riß/Würm-Interglazials in Nordwestdeutschland und den angrenzenden Gebieten.

Selle, W.

Kurzfassung

Der waldgeschichtliche Ablauf des RW-Interglazials in NW-Deutschland ist durch eine Reihe von Veröffentlichungen gut bekannt geworden, die genaue Abgrenzung der Zonen dagegen ist nicht genügend bestimmt. Durch die eingehende Untersuchung der Süßwassermergel-Vorkommen von Honerdingen, Mengebostel, Nedden-Averbergen und Armsen wurde es möglich, die Phasen fest zu umreißen. Da die Pollendiagramme des letzten Interglazials durch die schnelle Abnahme und den plötzlichen Anstieg der Baumpollenkurven charakterisiert werden, lag es nahe, die Schnittpunkte zweier Baumpollenkurven für die Gliederung heranzuziehen. Für die größte Anzahl der Phasen hat sich dieses Verhalten der Kurven für die Abgrenzung der Zonen als zweckmäßig erwiesen, nur für den Beginn und das Ende der Warmzeit mußten die Zunahme bzw. das Ende von Baumpollenkurven herangezogen werden. Diese Ergebnisse gelten zunächst nur für das Gebiet Walsrode-Verden, in größeren Zügen treffen sie aber auch für größere Räume zu. Durch das ungleiche Material wurde es notwendig, die waldgeschichtlichen Phasen zu größeren Einheiten zusammenzufassen. Die gebräuchliche Gliederung stellt Zonen nebeneinander, die in ihrem Inhalt nicht gleichwertig sind. Die EMW-Haselzeit des Postglazials umfaßt die Zonen VI, VII und VIII. Da sie klimatisch und waldgeschichtlich gemeinsame Züge haben, wäre es besser, den unterschiedlichen Ablauf durch VI a, b und c zum Ausdruck zu bringen. Wenn Profile durch größere Probeabstände untersucht werden, wie das bei pleistozänen Vorkommen oftmals der Fall ist, erhalten wir gewöhnlich nur die größeren waldgeschichtlichen Phasen. Die Abgrenzung der Zonen wurde nach folgenden Gesichtspunkten durchgeführt: Zone I: → Birkenzeit: Beginn des Anstiegs der Birkenkurve. Zone II a: → Kiefern-Birkenzeit: Beginn: Schnitt der Birken- und Kiefernkurve. Zone II b: → Kiefern-EMW-Zeit: Beginn: Schnitt der Eichen- und Birkenkurve. Zone III a: → Kiefern-EMW-Haselzeit: Beginn: Schnitt der Eichen- und Haselkurve. Zone III b: → EMW-Haselzeit: Beginn: Schnitt der Eichen- und Erlenkurve. Zone III c: → Linden-Haselzeit: Beginn: Schnitt der Eichen- und Lindenkurve. Zone IV a: → Hainbuchenzeit: Beginn: Schnitt der Hainbuchen- und Linden- (Hasel-) kurve. Zone IV b: → Hainbuchen-Fichtenzeit: Beginn: Schnitt der Hasel- und Fichtenkurve. Zone V a: → Fichtenzeit: Beginn: Schnitt der Hainbuchen- und Fichtenkurve. Zone V b: → Fichten-Kiefern-Tannenzeit: Beginn: Schnitt der Birken- und Hainbuchenkurve. Zone VI a: → Kiefern-Fichtenzeit: Beginn: Ende der Tannenkurve. Zone VI b: → Kiefernzeit: Beginn: Ende der Fichtenkurve. Eine weitere Untergliederung der Zonen, z. B. durch die Kulmination von Baumpollenkurven ist bislang nicht möglich. Oldenbüttel und die dänischen Vorkommen zeigen eine geringe Beteiligung der Linde und eine stärkere Dominanz der Birke am Anfang und Ende des RW-Interglazials. Regionale Besonderheiten von Wallensen sind die große Beteiligung der Ulme in Zone III b und die frühere und größere Ausbreitung der Tanne. Rinnersdorf/Mark Brandenburg nähert sich den osteuropäischen Vorkommen. Das Pollendiagramm von Rinnersdorf wird durch die frühe Ausbreitung der Hainbuche in Zone III c und die frühere Dominanz der Tanne in Zone IV b charakterisiert.