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Wulfener Berg und Ristinge Bank, ein glazialtektonischer Vergleich.

Köster, R.

Kurzfassung

Der Wulfener Berg auf Fehmarn (Schleswig-Holstein) und die Ristinge Bank auf Langeland (Dänemark) bilden länglich-ovale Hügel mit weitgehend übereinstimmender Morphologie. Bei einer Längserstreckung von 2,5 bis 3 km erreichen sie Höhen von 20 bis 30 m. Die Oberfläche der Rücken zeigt eine gleichmäßige flache Wölbung ohne weitere Gliederung. Sie liegen quer zu den benachbarten Moränenzügen und haben die typische Gestalt von Drumlins. Der Wulfener Berg und die Ristinge Bank sind durch Steilufer der Ostsee angeschnitten. Im ersteren befindet sich außerdem eine langgestreckte Sandgrube. Die Profile enthalten nur Gesteine diluvialen Alters. Die Einzelheiten des petrographischen Aufbaues und die Lagerungsstörungen weichen dagegen sehr voneinander ab. Der Wulfener Berg besteht aus einer mächtigen Folge vorwiegend feinsandiger und schluffiger Beckenabsätze, an deren Basis Geschiebemergel auftritt. Diese Folge ist durch Eisschub in Falten gelegt worden. Die Richtung der Sättel und Mulden liegt etwa quer zur Längserstreckung des Berges. Die Sattelachsen sind oft in Anpassung an die Oberflächengestalt durchgewölbt. Die Störungszone wird von einem diskordanten oberen Geschiebemergel mit einigen Metern Mächtigkeit überlagert. Im Ristinge Klint ist dagegen eine steile glaziale Schuppenzone aufgeschlossen, die neben zwei Geschiebemergeln und Schmelzwassersandkomplexen in beträchtlicher Verbreitung den junginterglazialen Cyprinenton enthält. Die Strukturen streichen leicht schräg zur Richtung des Berges. Sie werden von der Oberfläche des Rückens abgeschnitten. Ein diskordanter oberer Geschiebemergel kann nicht beobachtet werden. Aus diesen Profilen sind für die Stauchungszonen verschiedene Entstehungsbedingungen abzuleiten. Die Schichten des Wulfener Berges wurden unter langsam gleitendem Eis, das später seine Grundmoräne als oberen Geschiebemergel hinterließ, gefaltet. Dagegen liegt in der Ristinge Bank eine ältere Stauchmoräne vor, die bei einem jüngeren Eisvorstoß bis auf den heutigen Rest abgeschliffen wurde. Dies ist für die Mechanik der glazigenen Lagerungsstörungen von Bedeutung, da der petrographische Aufbau das umgekehrte Vorherrschen der Störungstypen begünstigen sollte. Nach allen Beobachtungen war die glaziale Faltung an eine Stauchung unter Eisbelastung gebunden, während die Schuppung vor einem Gletscher oder randlich unter ihm erfolgte. Entsprechende Beziehungen konnten auch in Experimenten beobachtet werden. Künftige Untersuchungen sollen prüfen, ob diesen Zusammenhängen eine allgemeine Bedeutung zukommt. Weiterhin ist an einem Beispiel gezeigt, daß morphologisch übereinstimmende Glazialbildungen, in diesem Falle Drumlins, sehr verschiedene Profile und eine dementsprechend unterschiedliche Entstehungsgeschichte haben können.