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Datierbare Horizonte in einem Pollendiagramm aus dem Lengener Moor und ihre Aussagen über Beginn des Moorwachstums und Zeitstellung des Schwarztorf/Weißtorf-Kontaktes.

Hayen, H.

Kurzfassung

Zur Untersuchung eines Moorleichenfundes wurde neben der Fundstelle aus der Wand einer Grube das Material für die Pollenanalyse entnommen. Die Fundstelle befindet sich im Lengener Moor, etwas westlich der Grenze zwischen Oldenburg und Ostfriesland, im Orte Bentstreek. Das Profil zeigt über dem mineralischen Untergrund 6 cm sandigen Humus, 27 cm stark zersetzten Moostorf (H 8), 54 cm stark zersetzten Moostorf (H 7), 56 cm schwach zersetzten Moostorf und 21 cm durch Beackerung veränderten und gestörten Torf. Der Kontakt zwischen dem schwächer und dem stärker zersetzten Sphagnumtorf (SWK) ist deutlich ausgebildet. Er wurde als zeitgleich angesehen und so noch in der jüngsten Zeit zur Datierung von Moorfunden herangezogen. Radiokarbondatierungen ergaben nach OVERBECK und FIRBAS Jedoch verschiedene Zeitstellungen. Auch van ZEIST kam in Drenthe durch pollenanalytische Untersuchungen zu diesem Ergebnis. Er erkannte diese Verschiedenheit sogar innerhalb eines geschlossenen Hochmoorgebietes. In dem in Bentstreek gewonnenen Diagramm zeigt die Hasel (Corylus) in ihrem Kurvenverlaufe mehrere deutliche Höchstwerte. Diese ließen sich ebenso in weiteren Diagrammen des Moorgebietes erkennen und wurden in parallelisierenden Blockdiagrammen als senkrechter Maßstab benutzt. Die in den Diagrammen recht verschieden mächtigen Torfablagerungen zwischen den sich zeitlich entsprechenden Haselgipfeln (CM) weisen auf eine ganz unterschiedliche Ablagerungsgeschwindigkeit hin. Damit entfällt die Möglichkeit, durch Mächtigkeitsberechnungen zu Zeitangaben zu kommen. - Die Werte der übrigen Baumpollen wurden ebenso dargestellt und zeigen wiederholt gleichartiges Verhalten in ihrem Verlauf, nicht aber gleichzeitigen Kurvenbeginn (Fagus, Carpinus). Die Abfolge der so gefundenen gesetzmäßigen Erscheinungen innerhalb der Diagramme gibt die Möglichkeit, bestimmte Spektren eines Diagrammes im Verlaufe eines anderen aufzusuchen. So konnte nun, unter Vermeidung jeder Mächtigkeitsberechnung, eine größere Anzahl datierter Spektren aus anderen Pollendiagrammen in das hier gewonnene übertragen werden. Es entstand eine Zeitleiter, der 15 Daten aus archäologisch und urkundlich gegebenen Zeitangaben und 11 C14-Daten als Grundlage dienen. Sie reicht von etwa 3000 v. Chr. bis um 1300 n. Chr. Dabei war es nicht immer möglich, ein einzelnes Pollenspektrum mit einer Zeitangabe gleichzusetzen; die Lage archäologischer Funde ist gewöhnlich nur innerhalb bestimmter Grenzen anzugeben.