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Vom Wesen der Abrasion.

von Bülow, K.

Kurzfassung

Die marine Abrasion ist von eminenter erdgeschichtlicher Bedeutung; sie ist ein hochkomplexer Vorgang, dessen bisherige Analyse, die zumeist von geomorphologischer Seite erfolgte, der Erneuerung und Ergänzung bedarf. Insbesondere erweckt die Einseitigkeit, mit der i. allg. "der Brandung", "dem Wogenanprall" die bestimmende Rolle bei der "Einebnung des Landes durch das Meer" zugewiesen wird, keine zutreffende Vorstellung von dem verwickelten Wechselspiel verschiedener Faktoren, das zu diesem Ziele führt. Hohlkehlenbildung (die fehlen kann), Brandungsterrasse mit grobem Restsediment (fossil: Transgressionskonglomerat) schaffen vor dem zurückweichenden Kliff Verhältnisse, die denen an Flachküsten im Prinzip gleichen. Das Fehlen oder Auftreten von Wasserstandsschwankungen bedingt das Ausmaß der Einebnung - ersteres theoretisch unbegrenzt, letzteres eng auf den anfänglichen Küstenraum beschränkt. Wasserstandsschwankungen, die rhythmisch als Gezeiten, arhythmisch als Windstauschwankungen auftreten, bestimmen den Ablauf der Abrasion in gleicher Weise an Gezeiten-, wie an gezeitenfreien Küsten (z. B. Nord- und Ostsee). Die Abrasion geht nicht gleichförmig in breiter Front gegen das Land vor, sondern durchaus selektiv, und zwar keineswegs nicht nur infolge von Härteunterschiede der Küsten- und Schorrengesteine, sondern aus ihrem eigenen Wesen heraus. An der Zusammensetzung des Gesamtvorganges sind folgende Faktoren bzw. Teilvorgänge beteiligt: Wellentätigkeit: auf der Schorre Aufwirbelung und vorübergehende Suspendierung des Sedimentes bzw. des zerteilten Anstehenden des Meeresbodens, am intensivsten in der Brecherzone; in der strandnäheren Rollerzone erfolgt strandnormaler Sedimenttransport, im Seeschlag ("Strandbrandung") ebenfalls, dazu strandparallele Versetzung. Bei Hochwasser wird der Strand zur Schorre, der Seeschlag greift unmittelbar die Küste (Düne, ansteigendes Hinterland, Kliff) an. Wellenverhalten; Beim Auflaufen auf die Schorrenfläche wird die Welle zunehmend strandparallel gerichtet (Refraktion). Unterwasserdepressionen (Buchten) bewirken eine Dehnung, Unterwasserrücken umgekehrt eine Verkürzung des Wellenkammes und damit eine Verdünnung des Wasser- und Energie-Inhaltes je Längeneinheit bzw. umgekehrt eine Konzentration von Wassermasse und Energie auf engeren Raum. Das bedeutet, daß die Wellenwirkung durch das Schorrenrelief (und Küstenumrisse) modifiziert wird. Auch die an den Strand bzw. Klifffuß gelangende Wassermenge je Schwall wird variiert.