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Die geologische Geschichte der Osterstader Marsch und des Landes Wührden.

Lang, H. D.

Kurzfassung

Als die Osterstader Marsch und nördlich daran anschließend das Land Wührden bezeichnet man den schmalen Marschenstreifen Östlich der Weser zwischen Neuenkirchen b. Bremen und Bremerhaven. Er wird aufgebaut aus tonig-schluffigem Klei und aus Torfen, die besonders am Geestrand weit verbreitet sind. In seinem Aufbau läßt dieses Gebiet die schon bekannte Abfolge von einzelnen Sedimentdecken erkennen, die besonders abseits der ehemaligen Rinnen und Priele deutlich ausgebildet ist. Durch archäologische Funde lassen sich besiedelte Bodenbildungshorizonte aus der Zeit von 50 v. Chr. bis 50 n. Chr., vielleicht noch in das beginnende 2. Jahrhundert hinein und aus dem 3., vielleicht noch dem 4. Jahrhundert nachweisen. Damit wären die von DECHEND (1956) benannten Decken u2, t1 und o2 zeitlich näher festgelegt. Es wurden zwei verschieden alte Rinnensysteme festgestellt, entlang denen Sedimente, die dieses Gebiet aufbauen, antransportiert wurden. Ein älteres Nord-Süd verlaufendes System bestand vor der Zeitenwende und ein jüngeres Ost-West verlaufendes in der folgenden Zeit. Zwischen Sandstedt und Bremerhaven wurden in weiter Verbreitung Sedimente angetroffen, die ihre Ablagerung wahrscheinlich mittelalterlichen Meereseinbrüchen verdanken. Die genannten Rinnen, die heute sämtlich verlandet sind, bilden jetzt, da sie mit sandigschluffigen Ablagerungen erfüllt sind und sich weniger stark setzen als ihre aus schluffigen Tonen und Torfen aufgebaute Umgebung, flache Rücken, die man als Inversionsrücken bezeichnet. Wie auch in der Wesermarsch beobachtet werden konnte, bilden diese Rücken oft die Grenzen jüngerer Meereseinbrüche. Die Untersuchungen in diesem Gebiet haben gezeigt, daß die Sackung wasserhaltiger und leicht zusammendrückbarer Sedimente einen großen Einfluß auf die Entstehung und das heutige Aussehen der Marsch hat.