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Junge isostatische und eustatische Bewegungen an der schleswigholsteinischen Ostseeküste.

Köster, R.

Kurzfassung

Die küstenmorphologischen Verhältnisse und die Ergebnisse einiger frühgeschichtlicher Ausgrabungen in der Nähe der schleswig-holsteinischen Ostseeküste zeigen übereinstimmend für die nachchristliche Zeit, vor allem das letzte Jahrtausend, einen relativen Wasseranstieg. Im N klingt er an der Forchhammerschen Linie aus. Sie ist die morphologische O-Isobase der postlitorinen Landhebung Skandinaviens und verläuft vom Nissum-Fjord an der Westküste Jütlands quer durch Fünen und den Nordteil von Falster nach ESE. Im südlich anschließenden Raum ist die Landsenkung um so stärker, je weiter man sich von der Forchhammerschen Linie entfernt. Der größte Betrag wurde bei der Ausgrabung von Alt-Lübeck mit mehr als 1,5 m gefunden, doch sind hier noch ergänzende Untersuchungen zur Sicherung der Ergebnisse notwendig. Vergleichbare Verhältnisse bestehen auch im mecklenburgisch-vorpommerschen Raum mit Ausnahme des östlichen Hinterpommern, wo eine postlitorine Landhebung beobachtet wurde. Ebenso hebt sich der südskandinavische Raum nördlich der Forchhammerschen Linie. Vergleicht man den geologischen Befund mit den Pegelmessungen aus dem letzten Jahrhundert, dann sieht man bei grundsätzlicher Übereinstimmung des Gesamtbildes eine Verschiebung der Grenze zwischen Hebung und Senkung nach N, d. h. in der Gegenwart überwiegt der Wasseranstieg die Landhebung in stärkerem Maße als im Durchschnitt der vorhergegangenen Zeit. Derartige Schwankungen erfolgten in den beiden nachchristlichen Jahrtausenden mehrfach. Phasen schnellen eustatisdien Wasseranstieges wechselten mit solchen der Ruhe oder sogar schwachen Rückganges. Eine Abschätzung führt zu dem Ergebnis, daß die subatlantische Transgression eine mittlere Geschwindigkeit von 2 bis 4 cm im Jahrhundert hatte. In den letzten Jahrzehnten als Beispiel für einen Abschnitt schnellen Anstieges entsprach sie etwa 15 cm im Jahrhundert. Nach der Abtrennung des eustatischen Bewegungsanteiles können die absoluten Hebungen und Senkungen des Landes bestimmt werden. Eine tektonische "Null-Linie" ist südlich der Forchhammerschen Linie in einer Zone, die sich vom Südende des Kleinen Belt durch den Fehmarn-Belt in Richtung auf den Darß erstreckt, anzunehmen.