Original paper

Die geologische Entwicklung des ostfriesischen Wattgebietes und der Inseln im Laufe des Quartärs.

Sindowski, K. H.

Kurzfassung

Die Küstengeologie, basierend auf den grundlegenden Arbeiten von KRÜGER, SCHÜTTE und WILDVANG, hatte sich bisher vorwiegend mit dem Holozän der Marschen befaßt, das eigentliche Wattgebiet dagegen vernachlässigt. Durch das alljährliche, seit 10 Jahren laufende Bohrprogramm der Forschungsstelle Norderney wurde die Möglichkeit geschaffen, die quartäre Geschichte des Wattgebietes und der Inseln zu klären. Für das Juist-Norderneyer Watt hat DECHEND, für das Baltrum-Langeoog-Spiekerooger Watt Verf. die geologischen Untersuchungen durchgeführt. Die quartäre Schichtfolge unter dem ostfriesischen Watt läßt zwei Festlands- und zwei Meereszeiten (eemzeitliche und holozäne Nordsee) erkennen. Der Unterbau des Eem-Wattes besteht aus präsaalezeitlichen Sanden und Kiesen, Lauenburger Ton, Vorschüttsanden und Geschiebemergel der Saale-Eiszeit, eemzeitlichen Flußsedimenten und Basis-Torf aus der Hainbuchen-Fiditen-Zeit des Eem g. Nach dem Wärmemaximum im Eem erfolgte die Eem-Transgression. Zunächst drang das Meer in Talungen, Rinnen und Senken ein und erfüllte diese mit meist grünen Schluffen und Feinsanden, die eine umfangreiche Makrofauna mit Venerupis senescens führen. Erst als der Eem-Meeresspiegel auf 17-16 m unter NN angestiegen war - laut Transgressionskontakt im Spiekerooger Watt in der Hainbuchen-Fichten-Zeit des Eem g - kam es zur deckenförmigen Ablagerung eines Schlickwattes. Die Eem-Wattprofile sind dreigeteilt: unten und oben Ton, in der Mitte Schluff oder Feinsand. Sie lassen alle eine Trans- und eine Regressionsphase erkennen. Vorlandbildungen schließen das Profil nach oben ab. Der Eem-Hangendtorf aus der Fichten-Zeit des Eem i ist bereits eine reine Süßwasserbildung. Die Eem-Oberkante dürfte bei 7,5 m unter NN liegen. Danach folgt eine Festlandzeit, deren Schichtfolge zum Unterbau des holozänen Wattes gehört. Es sind Flugsande (unt. brauner Sand) vom Ausgang der Eemzeit bis ins Postglazial. Darüber liegt eine limnische Folge des Präboreal aus Torfen, Gyttjen und Beckensedimenten. Flugsande (ob. brauner Sand) lagern sich wiederum bis zum Ende des Boreals ab. Ein Torf am Ende des Boreals schließt das Profil des braunen Sandes ab.