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Über Hilfsmittel und Methoden der marinen Aktuo-Geologie.

Reineck, H. E.

Kurzfassung

RUD. RICHTER umriß 1929 die Aufgaben der Aktuogeologie: "Es sind alle Vorgänge zu untersuchen, die vom heutigen Zustand des Meeres und des dazugehörigen Landes zur fossilen Urkunde führen, es sei Ablagerung oder Zerstörung." Die Untersuchungergebnisse sind gliederbar - so unterschied RUD. RICHTER dem Sinne nach - in solche der regionalen Aktuogeologie und jene der allgemeinen Aktuogeologie. Trotz mancher Mißverständnisse dienen die aktuogeologischen Arbeiten meist in stärkerem Maße der allgemeinen Geologie als der regionalen Geologie. So sind z. B. die Wattenarbeiten der Forschungsanstalt "Senckenberg" weniger darauf angelegt, das Watt zu charakterisieren, als allgemeingültiges Geschehen an Abtragung, Transport und Ablagerung zu untersuchen. (Vgl. hierzu auch SCHÄFER 1957 über Aufgaben und Ziele der Meerespaläontologie.) Nun dienen Wattenuntersuchungen leichter der allgemeinen Geologie als Untersuchungen in Gebieten unter ständiger Wasserbedeckung. Der Untersuchende von Unterwassergebieten ist in ähnlicher Lage, wie wenn ihm fossile Urkunden vorlägen; denn ungestörte Grundproben sind gleichermaßen bereits Gewordenes, wie es fossile Dokumente sind. Während das Experiment und z. T. die Naturbeobachtung auf dem Watt das Entstehen zu beobachten gestatten, ist dies in stets untergetauchten Gebieten nur sehr bedingt (durch Messungen, Vermessungen, Echographieren, U-W-Photographieren, U-W-Fernsehen, Tauchen usw.) der Fall. Es zeigt sich also, daß die lange Beschränkung auf das Watt der Notwendigkeit entsprang das aktuogeologische Geschehen selbst beobachten zu wollen. Die Beschränkung war weniger eine Frage der Geräte, des notwendigen Schiffes und dessen Ausrüstung. Neben die Schwierigkeiten der unmittelbaren Beobachtung des untergetauchten Grundes treten die Schwierigkeiten der Probeentnahme. Zwar stehen für die Entnahme gestörter Proben eine Reihe von Greifertypen und Dredgen zur Verfügung, für die Entnahme ungestörter Proben hingegen sind nur wenige Geräte erprobt. Unter den Lotröhren hat sich das Kolbenlot nach KULLENBERG allen älteren Konstruktionen überlegen erwiesen. (Dieses Kolbenlot gibt es heute in verschiedenen Varianten. Eine spezielle Umgestaltung erfuhr es durch SEIBOLD [1958], der es als Stoß-Kolbenlot für flaches Wasser benützt.) Mit dem Kolbenlot ist es möglich, aus geeignetem Untergrund 10-20 m lange (und längere) Kerne zu ziehen.