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Über den Faunenscihnitt an der Grenze Proterozoikum/Paläozoikum

Geyer, O. F.

Kurzfassung

Über die möglichen Ursachen der spontanen Faunenevolution an der Grenze Proterozoikum/Paläozoikum hat vor einigen Jahren O. H. SCHINDEWOLF (1956; 1958) berichtet. Neuere Untersuchungen (siehe z. B. R. TRÜMPY 1957) zeigen, daß marine Fazieskomplexe in gleichbleibender Ausbildung die Zeitgrenze Präkambrium/Kambrium überschreiten. Die präkambrischen Schichten erscheinen fossilleer; sie enthalten lediglich "Collenia"-Knollen und ähnliche Bildungen, die als Algenreste deutbar wären. In den jüngeren Schichten finden sich die zu erwartenden Trilobitenfaunen. Das Fehlen von Fossilien ist primär, da im angeführten Beispiel keine Metamorphosen erkennbar sind. Andererseits unterscheiden sich die präkambrischen Kalke und Dolomite mit "Collenia" in keiner Weise von jüngeren marinen Bildungen; hier liegt ein weiterer Beweis für das Vorhandensein mariner Bereiche im Proterozoikum. Eine Auszählung der nachgewiesenen Gattungen im älteren Paläozoikum ergibt eine kontinuierliche Zunahme der Gattungszahl vom Kambrium bis zum Devon. Diese Vermehrung setzt sich in den jüngeren Formationen fort, kann aber hier außer Betracht bleiben. Zwanglos läßt sich mit den so gewonnenen Werten - im Zeitmaßstab aufgetragen - eine Kurve konstruieren, die nach rückwärts verlängert sich ziemlich genau dem Nullwert an der Grenze Präkambrium/Kambrium nähert. Die in der Literatur genannten "präkambrischen Fossilien" bestehen größtenteils zu Unrecht (siehe O. H. SCHINDEWOLF 1956); entweder handelt es sich um Pseudofossilien oder um echte Fossilien jüngeren Alters. Als sichere präkambrische Fossilien dürfen wir vorerst nur Algenbildungen annehmen. Allerdings müssen wir uns stets vor Augen halten, daß die jüngeren Schichten unserer Erde noch fast vollständig erhalten sind, während die älteren Schichten im Verlauf der Erdgeschichte Abtragungs-, Einschmelzungs- und Umwandlungsprozesse verschiedenster Art hinter sich gebracht haben oder unter einer mehr oder weniger mächtigen Decke jüngerer Gesteine