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Der Buntsandstein in neuer Sicht

Kutscher, F.

Kurzfassung

Die Gründe dafür, daß der Buntsandstein heute im Blickpunkt der stratigraphischen Forschung und Kartierung steht, sind verschiedener Art. Einmal haben die Buntsandsteinschichten in großen Teilen der Bundesrepublik eine beherrschende, örtlich auch eine landschaftbestimmende Verbreitung. Zum anderen - und dies ist entscheidend - sind es die zu lösenden Aufgaben der Praktischen Geologie, die eine kartistische Erfassung der Buntsandsteinschichten gebieterisch fordern. Die Wasserbeschaffung aus den Buntsandsteinschichten ist eine aktuelle Tagesfrage, wobei die Kenntnis der sedimentologischen Abfolge und Struktur eine wichtige Unterlage für das Ansetzen von Bohrungen und deren Erfolg ist. Örtlich findet man im Buntsandstein Erdöl; in weit zahlreicheren Fällen ist die tektonische Anordnung wichtig für die Erfassung und Deutung der Strukturen. In den Kaligebieten bildet der Buntsandstein zumeist die Deckschichten. Für die Festlegung des Salzhanges und vor allem für die Erkennung der Auslaugungszonen und auch der Tiefenstrukturen gibt eine folgerichtige Stratigraphie wertvolle Unterlagen. In gewissen Abschnitten führen die Buntsandsteinschichten Uran-Mineralien; für das Aufsuchen bietet sich dabei die geologische Kartierung als echte Prospektionsmethode an. In wechselnder Mächtigkeit, gebietlich bis zu 1000 m und mehr Mächtigkeit anschwellend, fügt sich der Buntsandstein in den triadischen Schichtenverband ein. Von zumeist rein marinen Sedimenten des Zechsteins unterlagert und von marinen Muschelkalkschichten überdeckt, bildet er eine klastische Folge der germanischen Trias; es besteht bisher keine Möglichkeit, ihn an die marinen, altersgleichen Sedimente anzuhängen, da die vergleichbaren Fossilien fehlen. Zahlreiche örtliche Faziesgliederungen wurden in den letzten 100 Jahren durchgeführt; zumeist haben sie jedoch nur für engbegrenzte Gebietsabschnitte Gültigkeit. Auch überregionale stratigraphische Vergleiche wurden angestellt, die jedoch ein gemeinschaftliches Gliederungsprinzip vermissen lassen. Es ist dies auch weiter nicht verwunderlich, da über die Entstehungsbedingungen und den Ablagerungsraum nur unklare Vorstellungen bestanden: Zwischen einer Bildung in einer Wüste auf der einen Seite bis zur marinen, sicherlich aber aquatischen Entstehungsweise auf der anderen Seite konstruierte man alle Übergänge.