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Säugetierpaläontologische Daten zur Altersstellung des Hessischen Melanientones.

Tobien, H.

Kurzfassung

Der im Liegenden des mitteloligozänen Rupeltones auftretende brackisch-limnische Melanienton ist in Nordhessen weit verbreitet: Von Kassel im Norden bis in die Marburger Gegend und Alsfeld im Süden. Seine Alterseinordnung - seit jeher durch Brack- und Süßwasser-Mollusken, neuerdings durch Pollen und Mikrofauna versucht - blieb etwas unsicher, vor allem der Vergleich mit anderen, speziell westeuropäischen Tertiärbecken. Jetzt können zur Datierung auch Säuger herangezogen werden: 1. Aus dem Melanienton von Nordshausen, sw Kassel stammen einige Kleinsäugerzähnchen, die Herr Dr. GRAMANN, früher Marburg, z. Z. Hannover, in alten Aufsammlungen des Geologischen Institutes Marburg vorfand, 2. beim Schlämmen von Melanienton-Proben aus der Tongrube an der Strut bei Neustadt, Kr. Marburg (vgl. GRAMANN, diese Z. 111: 276), fand Dr. GRAMANN ebenfalls einige Säugerzähnchen. Die Materialien wurden dem Vortr. zugeleitet und ergaben im Falle Strut eine Vermehrung des Fundgutes nach Ausschlämmen von ca. 1,5 t Rohmaterial. Neben Fischwirbeln, Krokodilzähnen, Schildkrötenplatten, Ophisaurus-Resten fanden sich Zähne, Kieferfragmente und Knochenbruchstücke von Kleinsäugern. Sie verteilen sich auf Insectivoren (darunter ein Saturninia-artiger Soricide) und Nager. Für die Altersbeurteilung der Fundschichten sind die Nager: Trechomys n. sp. ex aff. bonduelli LABT. und Gliravus cf. priscus ST. & SCHB. wertvoll. Der Trechomys (das Genus gehört zu den Theridomyiden, vgl. STEHLIN & SCHAUB 1951: 34, 213) aus dem Hessischen Melanienton - in Nordshausen und an der Strut mit der gleichen Art vertreten - stellt in der OK- und UK-Bezahnung eine direkte Weiterentwicklung des aus dem Pariser Becken bekannten Tr. bonduelli dar. Diese Spezies stammt aus den Marnes blanches, die zu den Marnes supragypseuses gehören, welche über der obersten (= ersten) Masse der Montmartre-Gipse liegen. Letztere hat die klassische Paläotherium-Fauna geliefert und wird in der im Pariser Becken üblichen Gliederung in das obere Ludien gestellt, die Marnes supragyseuses werden dagegen dem Sannoisien zugerechnet. Da der Trechomys aus dem Melanienton strukturell etwas evoluierter als sein Pariser Verwandter ist, so dürfte er kaum älter, eher etwas jünger sein als dieser, d. h. die Fundschichten würden eher den Marnes supragypseuses und damit dem Sannoisien als den Montmartre-Gipsen. d. h. dem Ludien, gleichzustellen sein.