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Zur Hydrogeologie des Niederelbegebietes.

Niedermayer, J.

Kurzfassung

Die hydrogeologisdien Verhältnisse im Gebiet beiderseits der Unterelbe unterscheiden sich wesentlich von denjenigen im übrigen Norddeutschland. Durch weit über 1000 Bohrungen im Raume von Hamburg bis über 400 m Tiefe sind die quartären und tertiären Schichten und ihre Lagerverhältnisse bestens bekanntgeworden. Es lassen sich 6 Hauptgrundwasserhorizonte unterscheiden, davon je 3 im Quartär und im Jungtertiär. Das oberste und jüngste Grundwasserstockwerk bilden wechseleiszeitliche kiesige Sande des Elbe-Urstromtales in einer Mächtigkeit von 10-25 m. Es wird u. a. von 3 großen Wasserwerken, z. T. mit Horizontal- und Diagonalbrunnen genutzt. Das Wasser aus diesem Horizont weist durchweg hohe Eisengehalte auf, die im Mittel bei 5-10 mg/l liegen, die Spitzenwerte können 80 mg Fe/l erreichen. Das nächstältere Grundwasserstockwerk stellen saaleeiszeitliche Sande dar, die hauptsächlich in den Geestgebieten beiderseits des Elbetales genutzt werden. Darunter folgen als drittes Stockwerk elstereiszeitliche Sande, die bis über 150 m mächtig werden können, vor allem in fjordähnlichen eiszeitlichen Rinnen, die bis über 400 m durch Eiswirkung in die miozäne Schichtenfolge eingetieft sind. Hier werden spezifische Ergiebigkeiten bis über 35 m3 erreicht. Die 3 tertiären Grundwasserhorizonte bestehen 1. aus den pliozänen Kaolinsanden, die örtlich in Randsenken an den Salzstöcken von Langenfelde, Schnelsen und Siek bis zu 70 m Mächtigkeit erhalten geblieben sind. Darunter folgen die Braunkohlensande des Mittel- und Untermiozäns, die in Hamburg durch den 10-50 m mächtigen Hamburger Ton in 2 Grundwasserhorizonte unterteilt werden. Diese Schichten werden zusammen über 150 m mächtig und besitzen eine große räumliche Verbreitung; daher bilden sie auch die für die Grundwassererschließung wichtigsten Horizonte. Die Frage der Grundwasserversalzung ist hier besonders wichtig. Unterhalb von Stadersand nimmt im Urstromtal der Elbe der Salzgehalt rasch zu. In den übrigen Horizonten kommen erhöhte Cl-Werte, vor allem im Bereich der Salzdiapire vor, die bis in Oberflächennähe aufgedrungen sind, wie in Altona Langenfelde, Lüneburg und in den Vierlanden. Mehrere Braunkohlenflöze in der Miozänserie können für das Vorkommen von braunem Wasser, das durch Huminstoffe gefärbt ist, vor allem in den oberen Braunkohlensanden, verantwortlich gemacht werden. Infolge der sehr intensiven Grundwasserförderung aus den Braunkohlensanden hat der artesische Druck wesentlich nachgelassen. Während normal die Druckhöhe am Großensee und in Lüneburg zwischen + 30 und 38 m NN beträgt, ist sie im Laufe von 60 Jahren in Hamburg auf + 5 m NN und weniger zurückgegangen.