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Wasserwirtschaftliche Planung und künstliche Anreicherung des Grundwassers

Denner, J.

Kurzfassung

Bislang galt der oberirdischen Wasserspeicherung in Talsperren der Vorrang. Das Grundwasser muß die Aufgaben der Talsperren - Hochwasserschutz, Regelung des Abflusses in NW-Zeiten und Wasserversorgung - unterstützen und ergänzen. Diese Bedeutung des Grundwassers wurde in der Wasserwirtschaft bisher viel zu wenig berücksichtigt, Maßnahmen zur planmäßigen künstlichen Anreicherung des Grundwassers bzw. der unterirdischen Wasserspeicherung wurden bisher überhaupt nicht getroffen. Die systematische unterirdische Wasserspeicherung in ganzen Flußgebieten ist im Rahmen der wasserwirtschaftlichen Planung ein unbedingtes Erfordernis. Zusätzliche Aufgabe der geologischen Ämter bei der wasserwirtschaftlichen Planung ist die hydrogeologische Kartierung - Grundwasserspeicherkarte - nach den Gesichtspunkten der unterirdischen Wasserspeicherungsmöglichkeit und der Speicherkapazität der geologisch geeigneten Anreicherungsgebiete. Zur künstlichen Anreicherung des Grundwassers bzw. unterirdischen Wasserspeicherung sind alle Wässer, gleich welcher Herkunft, geeignet, sofern sie nur, ggf. nach Vorbehandlung oder Aufbereitung, keine giftigen oder schädlichen Bestandteile enthalten. Abwasserbeseitigung soll nicht nur ein Verschieben ungereinigter Abwässer in die vom Verursacher entfernter liegenden Gebiete sein, im Vordergrund muß die möglichst weitgehende Reinigung stehen. Giftige, schädliche und nicht mehr zu reinigende Abwässer gehören nicht ins Grundwasser, auch nicht in tiefliegende Speicherschichten im Untergrund. Beispiel: Versenkung der Kaliendlaugen im Werragebiet in tiefliegende Plattenkalke seit Ende der 1920er Jahre. - Erfolg: ab 1956, also nach rund 30 Jahren, fördern die dortigen Wasserwerke versalzenes Wasser. Auch in Vorfluter gehören Kali- und andere Abwässer nicht abgeleitet. Beispiel: Versalzung der Weser und des Grundwassers im Wesertal. Giftige, schädliche, nicht mehr zu reinigende Abwässer sind in geschlossenen Leitungen direkt ins Meer abzuführen. Die systematische unterirdische Wasserspeicherung ergibt neue Gesichtspunkte für die Wasserversorgung. Durch räumliche Trennung der Grundwasseranreicherungsgebiete vom oberirdischen Wasserspender (Flüsse, Seen usw.) können neue Industrieanlagen und Siedlungen fernab vom Fluß und von Gebieten der Zusammenballung von Industrieanlagen und Menschenmassen dort aufgelockert errichtet werden, wo neue Wasserversorgungsgebiete durch unterirdische Wasserspeicherung geschaffen werden können.