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Trockengebiete der Erde und die Methoden ihrer systematischen hydrologischen Erschließung

Giessler, Alf

Kurzfassung

Bei einer Betrachtung der Festlandfläche der Erde unter klimatischen Gesichtspunkten gelangt man nach den Zahlenangaben von KÖPPEN (1931) zu der beachtenswerten Feststellung, daß rd. 26% der Landoberfläche zu den BS- und BW-Klimaten zählen. Sie weisen also Steppen- und Wüstenklima auf. In absoluten Zahlen ausgedrückt, haben rd. 21 .·10 6 km2 Festlandsfläche Steppenklima und rd. 18·. 10 6 km2 Wüstenklima. Im Laufe der Erdgeschichte haben diese klimatischen Verhältnisse und die daraus resultierenden Flächenanteilszahlen sowie Lage und Fläche des Gesamtfestlandes stark gewechselt. Auch der gegenwärtige Zustand ist daher nur als Entwicklungsstadium zu werten. Aber schon der relativ kurze Abschnitt der menschheitsgeschichtlichen Entwicklung, von dem wir nur die letzten 5000 Jahre zu überblicken brauchen, dokumentiert die Erkenntnis, daß diese Trockenzonen zwar naturgegeben, aber bestimmt nicht naturnotwendig sind. Bewässerungen und Wasserregulierungen sind von den alten Ägyptern bis zur Gegenwart die entscheidenden Faktoren für den kulturellen und zivilisatorischen Aufstieg oder bei ihrem Verfall für den Niedergang bedeutender Länder und Staaten gewesen. Der Mensch kann diese Trockengebiete also bis zu einem gewissen Grade durchaus meistern, d. h. in einem für die menschliche Besiedlung positiven Sinne umgestalten (GIESSLER 1960). Da das 20. Jahrhundert in seiner zweiten Hälfte die Menschheit auf der Höhe eines beinahe unbegrenzten technischen Könnens sieht, welches gestattet, in ungeheuere Tiefen von Mikro- und Makrokosmos einzudringen, sollte die hohe Prozentzahl des wenig oder gar nicht erschlossenen Festlandanteiles auf unserer Erde mehr denn je überraschen und die Forderung aufdrängen, die ungeheueren Flächen- und Energiereserven der Erde endlich systematisch zu erschließen.