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Die Caldeira von Graciosa, Azoren

Krejci-Graf, Karl

Kurzfassung

Zwei der Azoren-Inseln (Flores und Corvo) liegen auf dem Atlantischen Rücken, die anderen auf einem Plateau, das in 3000 m Tiefe aufsetzt. Der Vulkanismus dieses Plateaus schritt im großen von ESE nach WNW fort, innerhalb jeder Insel (außer auf Santa Maria) im allgemeinen von E nach W bzw. von SE nach NW. Auf Graciosa (Abb. 1) trägt das nordwestliche Drittel der Insel etwa ein Dutzend junger Vulkankegel, die einer nicht ganz ebenen Fläche aufgesetzt sind. Diese Fläche ist mit nicht-marinen Sedimenten bedeckt; es handelt sich wohl um Ablagerungen von Schlammströmen (HARTUNG 1860, Taf. IX, Fig. 1, S. 233; BERTHOIS 1953, S. 101), wie sie bei Barro Branco-Feteiras an der Straße blockführend aufgeschlossen sind. Die südöstlichen zwei Drittel der Insel tragen ältere Vulkan-Bauten, deren Formen durch Erosion ± zerstört sind. Das Südost-Ende wird von einem noch kenntlichen Kegel gebildet, der Serra da Caldeira; der Kegel schließt einen Einsturzkrater von 400 x 1000 m ein, die Caldeira. Das südöstliche Drittel dieser Caldera liegt etwas tiefer als der NW-Teil. Es handelt sich um eine zusammengesetzte Caldera mit steilen bis lotrechten Wänden, die in einem nach innen mit 25° oder weniger einfallenden, ebenfalls zusammengesetzten Kraterring eingeschnitten ist (AGOSTINHO 1937, S. 190). Die "pseudokonkordante" Schichtung (HARTUNG 1860, S. 134 ff.) des Kraterwalls liegt in den unteren zwei Dritteln sowie unter dem höchsten Gipfel nahezu söhlig, fällt aber sonst in den höheren Teilen mit 10° bis 15° nach außen (HARTUNG 1860, S. 235, 239). Die Schichtung schneidet sowohl in dem steilen tieferen Teil wie auch in dem flachen höheren Teil der Kraterwände ohne Abbiegung frei in die Luft aus. Unter dem zweithöchsten Gipfel liegen hauptsächlich Tuffe und Schlacken mit wenigen Lava-Bänken, die unter den höchsten Gipfel einfallen und an die sich die vorwiegend aus Lava bestehenden Bänke unter dem höchsten Gipfel anlagern (HARTUNG 1860, S. 236).