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Über den Bau der Ligurischen Alpen 3. Tektonik und Stellung der Flyschzone

Richter, Max

Kurzfassung

Zusammenfassung Die in Teil 2 erkannte Gliederung der Flyschzone Westliguriens wurde bestätigt und konnte weiter ausgebaut werden. Es ergab sich eine weit größere Verbreitung der Buntschieferserie an der Basis des Kreideflysch, die diesen nicht nur auf beiden Seiten umrahmt, sondern die auch in langen Sattelstreifen inmitten des Kreideflysch auftritt mit teilweise diapirartigen Strukturen. Die Mächtigkeit des Kreideflysch hat sich dadurch weiter verringert und dürfte 1200 m kaum wesentlich übersteigen. Im Bereich der Basisserie (Mittel-Ober-Eozän der autochthonen-parautochthonen Massivbedeckung) wurde zwischen Oberkreide und Mitteleozän eine lokale, bis 30 m mächtige "Liburnische Stufe" nördlich von Ventimiglia aufgefunden. Die Basisserie westlich unter dem Kreideflysch zeigt im allgemeinen ruhige Lagerung, wird aber trotzdem von mehreren tektonischen Flächen durchzogen von teilweise beträchtlichem Ausmaß, an denen z. T. kräftige Mylonitisierung eingetreten ist, z. T. Gleitbretter älterer Gesteine gegen SW und W ausgeschuppt wurden. Die eozäne Albengaserie im NE unter dem Kreideflysch liegt transgressiv verschiedenen Falten der Zone des Briançonnais auf. Ihr Hangendes wird von einer Quarzitserie gebildet, die Konglomerate aus Gesteinen der Briançonnaiszone (Perm-Jura) führt. Es wird der Vergleich des westligurischen Flysch mit den französischen Flyschgebieten des Ubaye und Embrunais durchgeführt, deren Kreideflysch noch auf italienischem Boden beginnt, auch hier wieder mit Buntschieferserie, die einem Teil des "Flysch noir" im Ubaye entspricht. Der Begriff "Flysch noir" wird auf die Flyschmassen des "Subbriançonnais" vor allem südlich von Barcelonnette beschränkt. Dieser entspricht im westligurischen Flysch der Schuppe II (Schuppe der Cime de Pépin). Der Flysch noir des "Subbriançonnais" wird daher nahe an das Autochthon-Parautochthon angeschlossen. Die schon früher beschriebene Scheitelung, die sich aus Vergenz und Kleintektonik ergibt, ist eine der letzten tektonischen Vorgänge und jünger als die Aufschiebung des Kreideflysch, die als zweiseitige Aufschiebung bei starker Einengung des Untergrundes erklärt wird. Dabei wird die Frage eines Fernschubs erörtert, ein solcher aber abgelehnt. Nach einer Übersicht über die Stellung der Zone des Briançonnais wird auf die Junge Hebung der ligurischen Alpen hingewiesen, die sich aus Lage und Neigung jüngerer tertiärer Bildungen ergibt. Die Beträge der Hebung nehmen von W nach E ab mit queren Zonen zurückbleibender Hebung, wie z. B. nördlich Savona.