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Geologischer Bau und tektonische Stellung des Hintersteiner Fensters in den Allgäuer Alpen

Richter, Dieter

Kurzfassung

Zusammenfassung Das bekannte Hintersteiner Fenster in der Iseler-Schuppe der oberostalpinen Schubmasse läßt die Schichten der tieferen Jochschrofen-Schuppe etwa 4 km südlich des Stirnrandes der überschiebenden Iseler-Schuppe in komplizierter Sattelstellung noch einmal auftauchen. Die Fensterbildung ist durch gemeinsame Auffaltung beider Schuppen bedingt, die mit dem Überschiebungsprozeß zusammenhängt. Aus gefügeanalytischen Untersuchungen geht hervor, daß die Herausbildung des Fensters gerade bei Hinterstem auf eine axiale Querkulmination zurückzuführen ist, von der die Sattelachse nach W und E rasch abtaucht. Der Hintersteiner Schuppensattel macht sich bereits östlich des Retterschwangtales in der Aufwölbung der Rotspitze bemerkbar und läßt sich über Hinterstein, Ponten und Rhonespitze bis ins Tannheimer Tal verfolgen. Während die unter der Rotspitze auftauchenden Gesteine der Arosa-Zone gleiche axiale Verhältnisse wie die der Iseler-Schuppe zeigen, ist der beiderseits des Retterschwangtales unter der Arosa-Zone hervortretende Flysch an der ostalpinen Tektonik nicht beteiligt. Wahrscheinlich war er bereits vor der Überschiebung des Ostalpins gefaltet und teilweise abgetragen. Die Strukturen des Ostalpins zeigen dagegen eine Beeinflussung durch die morphologischen Verhältnisse des Flysches im Untergrund.