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Zur Revision des ostalpinen Deckenbaus im Allgäu-Vorarlberger Grenzraum

Schidlowski, Manfred

Kurzfassung

Zusammenfassung Die geologische Spezialaufnahme des ostalpinen Anteils der Vorarlberger Alpen zwischen Kleinem Walsertal und oberem Lech ergab die Existenz einer einheitlichen oberostalpinen Decke mit Schuppenstruktur, die durch das Unterostalpin der Aroser Zone von der südlichen Vorarlberger Flyschzone getrennt wird. Eine Untergliederung des Oberostalpins in Teildecken ist nicht möglich. Jeder Versuch, die Vielfalt der vorhandenen tektonischen Elemente zu höheren Einheiten zusammenzufassen - etwa in den Dualismus Allgäudecke-Lechtaldecke zu pressen - ist willkürlich und wird den tatsächlichen Verhältnissen in keiner Weise gerecht. Eine Einteilung in Allgäudecke, Lechtaldecke A und Lechtaldecke B im Sinne von O. AMPFERER (1930, 1931) und Th. BENZINGER (1929) ist aus diesem Grunde entschieden abzulehnen. Der interne Baustil der oberostalpinen Decke wird ausschließlich bestimmt durch den Gegensatz zwischen den kompetenten Gesteinen der Trias und den inkompetenten Serien des Juras und der Kreide. Alle in diesem Bereich auftretenden Beanspruchungsformen sind also weniger eine Funktion des speziellen Beanspruchungsakts als vielmehr eine Folge der unterschiedlichen Mobilität des beanspruchten Materials. Gleitbrett, Pilzsattel und autochthone Klippe stellen dabei nur graduelle Varianten der gleichen tektonischen Grundform dar, die durch Übergänge miteinander verbunden sind. Die Endpunkte dieser Formenreihe seien als vektorielle und indifferente Schuppung definiert. Es kann als sicher gelten, daß fast alle auftretenden Schuppenelemente embryonal als Sattelzonen angelegt worden sind. Der Schuppungsstil ist im Bereich des Aufnahmegebiets eindeutig richtungsbetont ("vektoriell"), es herrschen also flachliegende bis mittelsteile N-vergente Schuppen vor. Die Schuppung selbst vollzieht sich fast ausschließlich im authochthonen Bereich, lediglich am N-Rand der Wösterspitz-Braunarlspitz-Klostertal-Schuppe erreicht sie parautochthone Ausmaße. Die oberostalpine Decke wird im Bereich des oberen Lech von der Klesenza-Störung zerrissen, an der die südliche Scholle um etwa 500 m absinkt. Dabei werden am Klesenza-Joch unterostalpine Gesteine in Form eines Fensters exponiert, so daß ein freies Schwimmen der Decke - wenigstens aber ein beträchtliches "Überlappen" des oberostalpinen Komplexes auf seinen nördlichen Rahmen - als sicher angenommen werden muß.