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Ein jungpaläozoischer Trog unter dem Süddeutschen Molassebecken

Lemcke, Kurt

Kurzfassung

Die im Jahre 1960 abgeteufte Erdölaufschlußbohrung Dingelsdorf 1 am Bodensee (Abb. 1) hat unter ca. 1000 m Tertiär und ca. 925 m Mesozoikum eine ca. 724 m mächtige Serie aus Perm und Karbon erbohrt (wahre Mächtigkeit nach Continuous-Dipmeter ca. 650 m), die dem Kristallin aufliegt und von der ca. 495 m dem Oberrotliegenden, ca. 73 m möglicherweise dem Unterrotliegenden (Autunien) und ca. 156 m dem Oberkarbon angehören (LEMCKE & WAGNER 1961, S. 10). Dieser Fund von Jungpaläozoikum verlängert wahrscheinlich den von SCHMASSMANN & BAYRAMGIL (1946) beschriebenen, östlich Basel durch Bohrungen nachgewiesenen und dort mit Ober-, z. T. auch Unterrotliegendem gefüllten "Tafeljuratrog" - südlich an der Bohrung Zurzach (Kristallin unter Buntsandstein, CADISCH 1956, S. 314) vorbei - um ca. 100 km nach ENE in das Süddeutsche Molassebecken hinein. Es stellt sich die Frage, wie man sich seinen weiteren Verlauf nach Osten vorstellen kann. Durch die Bohrungen Kastl 1 und Gendorf 1 (BECKMANN 1958, S. 677), Alzgern 1 (OSCHMANN 1960, S. 51) und Geretsberg 1 (ABERER 1958, S. 29) wurde auf dem Landshut-Neuöttinger Hoch (HEERMANN 1954, S. 8) südöstlich Mühldorf a. Inn Oberkarbon unter Tertiär nachgewiesen, durch die noch weiter südöstlich stehende Bohrung Perwang 1 (JANOSCHEK 1959, S. 2) ebenfalls unter Tertiär eine kontinentale Serie, die zwar mit Fragezeichen zur Trias gestellt wird (1. c., Fig. 2), für die man aber - in Analogie zur "Kontinentalen Trias" von Scherstetten 1 (LEMCKE 1955, S. 98) - auch wohl Rotliegendalter nicht ganz wird ausschließen können. In Puchkirchen 1 schließlich - östlich des Hochs nahe am Alpenrand - wurde zwischen Jura und Kristallin wahrscheinliches Paläozoikum (etwa 25 m) angetroffen (ABERER 1958, S. 30). Durch diese Bohrungen wird in Ostbayern und Oberösterreich ein paläozoischer Trog wahrscheinlich gemacht, dessen NE-Rand relativ gut zu belegen ist. Durch die von NATHAN (1949) veröffentlichten Bohrungen des Bayerischen Innviertels sowie durch die von GRILL & WALDMANN (1950) beschriebenen Bohrungen Oberösterreichs wurde nordöstlich der erwähnten Paläozoikum-Funde immer wieder unter Tertiär oder Mesozoikum Kristallin erbohrt (Abb. 1), mit einziger Ausnahme der Bohrung Mittich 1 nahe Passau, von der NATHAN (1949, S. 37) etwa 13 m terrestrische Sedimente, vielleicht Rotliegendes, über Kristallin erwähnt.