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Beziehungen zwischen Molassedimentation und Alpentektonik an der Wende Oligozän/Miozän

Lemcke, K.; Aberer, F.

Kurzfassung

Den tektonischen Bewegungen, die in der Bohrung Perwang 1 zwischen tieferem Chatt und höherem Aquitan festgestellt wurden (JANOSCHEK 1959, S. 6 und Fig. 4), könnten möglicherweise folgende Ereignisse im Sedimentationsablauf des Alpenvorlandes entsprechen: 1. In Ostbayern endigt die dort weit verbreitete und z. T. sehr mächtige alpine Schüttung der "Chattsande" überall auffallend plötzlich dicht unterhalb der Chatt/Aquitan-Grenze, oft nach unmittelbar voraufgegangener Kornvergröberung, die sich bis zur Kiesführung steigern kann. Fast ohne Übergang folgen darüber die extrem sandarmen "Hangenden Chattmergel" und "Liegenden Aquitanmergel", die dann ihrerseits allmählich wieder in sandreichere Sedimente übergehen. 2. Im westlichen Teil des Molassebeckens verringert sich im Bereich der Chatt/Aquitan-Grenze die aus den Alpen stammende Zufuhr des Materials der Unteren Süßwassermolasse so weit, daß das ostbayerische Meer vorübergehend über den Lech nach Westen bis etwa zur Iller vorstoßen kann, wo es die brackische Abfolge der Oberen Cyrenenschichten hinterläßt. Zur gleichen Zeit wird nach den Arbeiten u. a. von JORDI (1955, S. 49) und VERNET (1956, S. 198) auch in der Westschweiz eine wohl limnisch-brackische Serie (Süßwasserkalk-Gipsmergel-Serie) innerhalb der Unteren Süßwassermolasse abgelagert.