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Geopetale Sedimentgefüge im Hauptdolomit und ihre Bedeutung für die tektonische Analyse der Nördlichen Kalkalpen

Hückel, B.; Jacobshagen, V.

Kurzfassung

Zusammenfassung Aus dem norischen Hauptdolomit der Allgäuer und Lechtaler Alpen werden geopetale Anlagerungsgefüge und Beispiele für ihre systematische Auswertung bei tektonischen Untersuchungen beschrieben. Während große Teile des ostalpinen Mesozoikums in jüngster Zeit stratigraphisch feiner gegliedert werden konnten und sich somit die Möglichkeit bot, durch Spezialkartierungen die Unterlagen für die tektonische Deutung des Gebirges zu vermehren, hat sich der norische Hauptdolomit der Nördlichen Kalkalpen allen Versuchen einer Unterteilung bisher im wesentlichen widersetzt. Auch kleintektonische Untersuchungsmethoden sind in Hauptdolomit-Gebieten nur begrenzt anwendbar, da die offenbar oberflächennahe tektonische Beanspruchung während der Orogenese in den spröden Karbonaten an Stelle gesetzmäßig differenzierter Flächengefüge häufig tektonische Breccien oder Mylonitzonen erzeugt hat, die keine detaillierteren Aussagen erlauben. Wo dagegen das primäre Sedimentgefüge noch in den Gesteinen erhalten ist, bieten geopetale Merkmale darin Unterlagen für die tektonische Analyse. Als geopetal bezeichnet man mit SANDER (1936, S. 31) "alle... Raumdaten des Gefüges, welche oben und unten zur Zeit der Gesteinsbildung ablesen lassen". Geopetale Sedimentgefüge wie "fossile Wasserwaagen" oder Schrägschichtungsdiskordanzen sind der allgemein-geologischen Literatur als Anzeichen der Lagerungsverhältnisse - normal oder invers - seit langem bekannt. Umfangreiche Zusammenstellungen haben FIEGE (1942) und SHROCK (1948) veröffentlicht. Dennoch wurden Geopetalgefüge, zumal in Karbonatgesteinen, selten systematisch zur Klärung tektonischer Probleme größeren Ausmaßes benutzt. Darum seien im folgenden neben einer Übersicht über die wichtigsten Typen von geopetalen Gefügen im Hauptdolomit einige Beispiele ihrer regionaltektonischen Auswertung angeführt.