Original paper

Zur Frage der Faltungszeiten in den deutschen Alpen

Zeil, Werner

Kurzfassung

Zusammenfassung Zwischen Trias und Unterkreide sind im Bereich der deutschen Alpen nur weitgespannte Bewegungen abgelaufen, die keine ausgesprochenen Faltenstrukturen geschaffen haben. Die entscheidenden Biegungsverformungen erfolgten im Mittel-Alb und im Mittel- bis Ober-Turon. Zwischen diesen beiden wichtigen Faltungen liegt ein Zeitraum von etwa 6 Millionen Jahren: sie lassen sich also nicht zu einer "Phase" vereinigen. Damit existiert in den deutschen Alpen keine "austrische Stamm-Faltungsphase". Auch gibt es dort bis jetzt keinen Beweis für eine Faltung an der Wende Kreide/Tertiär. Tektonische Beanspruchungen im Tertiär erzeugten innerhalb des Kalkalpins vorwiegend Bruchverformungen, Scherbewegungen und Schollentransporte, dagegen kaum mehr Faltung. Letztere erfaßte jetzt die randlichen Tröge des Flysch und des Helvetikums mit ihren jüngeren Füllungen. Die zeitliche Fixierung einzelner Bewegungsvorgänge im Tertiär ist nur relativ möglich. Die seit der Trias erzeugten Strukturen sind ihrer Natur nach grundsätzlich verschieden, und die Bewegungen haben zudem Teile des Orogens keineswegs synchron ergriffen. Die scheinbar übersichtliche Aufgliederung der tektonischen Vorgänge in einzelne Phasen nach dem Schema STILLES - dem auch der Verfasser in jüngeren Jahren teilweise gefolgt ist - stimmt im behandelten Bereich mit der Wirklichkeit nicht überein und sollte dort daher vermieden werden.