Original paper

Zur tektonischen Stellung der Vilser Alpen

Zacher, Wolfgang

Kurzfassung

Zusammenfassung Aus den Schwierigkeiten, die sich den Versuchen entgegenstellten, den Bau der Vilser Alpen durch weitreichende Deckenüberschiebungen zu erklären, ergab sich die Notwendigkeit, nach einer neuen Vorstellung über Art und Ablauf der tektonischen Ereignisse zu suchen, in welche sich die aus Karte und Profil, sowie ergänzenden gefügekundlichen Untersuchungen gewonnenen Ergebnisse widerspruchsfrei einfügen ließen. Folgende Gegebenheiten und Vorgänge haben zu den heutigen Strukturen geführt: 1. In der kalkalpinen Schichtenfolge der Vilser Alpen wechseln sich in horizontaler und vertikaler Richtung Gesteine mit unterschiedlicher Faltbarkeit ab. Angenähert scheidet die Linie Pfronten-Mils (Inntal) einen westlichen Bereich in allgäu-vorarlberger Fazies von einem östlichen, in bayerisch-nordtiroler Fazies mit unterschiedlich dicken, häufig zirgarrenförmig umgrenzten Wettersteinkalk-Riffen. 2. Bei der Hauptdeformation, einer Einengung in S-N-Richtung, entstanden ± EW streichende Großfalten und Schuppen, deren Anlage und Verlauf weitgehend Faziesverteilung, Schichtmächtigkeiten und Faltungskompetenz bestimmt haben. Die Überschiebungen - im Westen fast ausschließlich, im Ostabschnitt vorwiegend nach N gerichtet - sind aus Abscherungen ausgedünnter Faltenschenkel und stellenweise aus Schwächestellen (z. B. Fazieswechsel zwischen Wettersteinkalk und Partnachschichten) hervorgegangen. 3. Eine durch die S-N-Einengung eintretende Längung parallel B (EW) führte zu einer Verschuppung ± in EW-Richtung (vgl. Längsprofile Abb. 5), bei der die Faltenachsen (5-25°) nach E geneigt wurden. Der etwas jüngere Westschub hat nur Aufschiebungen geringer Weite ausgelöst. Andere, nicht NS einengende b-achsiale Deformationen haben nur lokale Bedeutung besessen; sie sind im Gesamtbau (wie auch die Blattverschiebungen) von geringer Bedeutung.