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Über den Alpenrand und die Molassealpen im Allgäu

Kraus, Ernst C.

Kurzfassung

Zusammenfassung Hier soll nur versucht werden, den gedanklichen Bogen zu spannen über die Hauptergebnisse und damit zurückzukehren zu der Frage nach dem "Warum" der Molassealpen. Aus allen Beobachtungen ergibt sich eine Zunahme der horizontalen Einengung gegen W und gegen unten, auch eine vermehrte axiale Aufwölbung des Gebirges von der Iller bis zum Rhein, ja bis in die helvetischen Kalkhochalpen der Schweiz. Wenn die verursachende Überdruck-Spannung dabei nicht von dem (älteren) Gebirge aus gegen außen wirkte, so muß sie - was ja zu denselben Vergenzen führt - vom Vorlande her unter das Gebirge hinein wirksam gewesen sein. Diese orogene Massen-Unterströmung verschärfte sich sichtlich im Grenzbereich der Ost- und Westalpen westwärts. Das begann am Illertal schon im Allgäu. Auch das Vorland und nicht allein das ältere Gebirge im S, sondern das Vorland auch noch im Jungtertiär, folgte dieser Generaltendenz: die intensivere Einengung und im S die kräftigere, junge Heraushebung. Daher kann man sich das etwa so zurechtlegen: Je tiefer die spez. leichtere Sialmasse des Gebirges bei der orogen einengenden Unterbewegung eintauchte in das spez. schwerere Sima, desto höher mußte später, wenn die orogene Tiefenbewegung erlahmte, Gebirge und dann auch der Vorlandrand isostatisch emporsteigen. Darum kann uns die Aufwölbung hier im W auch noch der Molassealpen, also eines Südteiles der Vortiefe in junger Zeit, erscheinen als Normalfolge der ungleich stärkeren und zweitens der etwas jünger noch aktiveren Gebirgsbildung in den Westalpen. Daß diese etwas jünger sind als insgesamt die Ostalpen, ist ja bekannt.