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Der Bau des Gebirges um Lech (Vorarlberg)

Stengel-Rutkowski, Witigo

Kurzfassung

Zusammenfassung Das seit langem einer Neukartierung bedürftige Gebiet um Lech und den Tannberg wurde in drei Geländesommern neu aufgenommen. Die sehr interessanten stratigraphischen und paläogeographischen Verhältnisse werden hier nur kurz behandelt, sie erscheinen an anderer Stelle. Die Tektonik ließ sich durch Aufteilung des Gebietes in drei Bereiche mit jeweils anderen tektonischen Voraussetzungen klären: 1. Das Jungschichtengebiet im N der Allgäuer-Hauptkammschuppe und der Wösterspitz-Braunarlspitz-Schuppe mit einzelnen, mehr isolierten Triasstrukturen. Hier laufen bedeutende Muldenelemente des Allgäus (Schwarzmilzmulde) und Vorarlbergs (Mohnenmähdermulde) aus; 2. Die Allgäuer Hauptkammschuppe, die bei Lech-Stubenbach ihren Ursprung nimmt und gegen das Allgäu zu einem sehr bedeutenden tektonischen Element wird. 3. Die Wösterspitz-Braunarlspitz-Schuppe, die mit der Wösterspitze im Osten beginnt und sich zu einem wichtigen Element Vorarlbergs erhebt. Sie erreicht 3-4 km Überschiebungsweite. Im Inneren kennzeichnet sie ein durch die Raibler Schichten sehr begünstigter Spezialschuppenbau. Zu diesem zählt die Kriegerhornschuppe als höchste Einheit, deren besonders weiter Vorschub durch die "Klippen" des Kriegerhorns und von Oberlech angezeigt wird. Im Hangendschenkel der Wösterspitz-Braunarlspitz-Schuppe bestimmen alte Querstrukturen das Bild, von denen der Quersattel der Wildgrubenspitz-Roggalspitz-Masse und die Flexenpaßstörung die bedeutsamsten sind. Alle größeren Einheiten zeigen westliches Achsenfallen. Unter der Scherenwirkung der beiden großen Schuppen (Allgäuer-Hauptkammschuppe und Wösterspitz-Braunarlspitz-Schuppe) wurde das Karhorn als multivergente Struktur aus dem nördlich gelegenen Jungschichtengebiet herausgequetscht. Hier spielten tektonische Interferenz und durch Faziesgegensätze bedingte Inhomogenitäten des verformten Bereiches zusammen. Die meridional gerichteten Bewegungen müssen mehrmals hintereinander gewirkt haben. Eine "germanotype" Verwerfung von vielen 100 m Sprunghöhe ("Klesenzastörung", M. RICHTER 1956) gibt es innerhalb des beobachteten Bereiches nicht.