Original paper

Bericht über die 112. Hauptversammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Bad Tölz (Oberbayern) vom 21. bis 29. September 1960

Trusheim, F.

Kurzfassung

Der Nachweis einer mehrere km nach Norden in die Vorlandmolasse eingeschobenen Schuppenzone in der Bohrung Perwang der Österr. Rohöl-Gewinnungs-AG. wirft die Frage auf, ob es sich dort um eine nur örtliche Erscheinung an einer dafür strukturell prädestinierten Stelle handelt oder ob derartige "unterschobene" Schuppen auch an anderen Stellen am Nordrand der Alpen erwartet werden dürfen. Die Mehrzahl der reflexionsseismischen Profile, die die Grenzregion zwischen subalpiner und Vorland-Molasse zwischen dem Lech und dem Bodensee queren, zeigt in großer Übereinstimmung folgende Strukturelemente (Abb. 1). Ein oberes Paket von Reflexionshorizonten, das Schichten der Oberen Süßwassermolasse bis zum höheren Teil der Unteren Süßwassermolasse repräsentieren dürfte, hebt sich nach Süden mit Annäherung an die über Tage aufgeschlossene Grenze zur subalpinen Molasse zunehmend heraus. Im Gegensatz dazu taucht ein Bündel tieferer Reflexionshorizonte, die dem unteren Teil der tertiären Schichtfolge sowie dem Mesozoikum bis zum Top der kristallinen Unterlage angehören dürften, gegen Süden ab. Zwischen diesen beiden divergierenden Schicht-Paketen liegt ein keilförmiger Bereich, in dem die meist nur lückenhaft vorhandenen Reflexionselemente nicht sicher angesprochen werden können. Die Spitze dieses Keils reicht in den verschiedenen Profilen verschieden weit nach Norden, im Durchschnitt bis etwa 4-5 km nördlich der durch Oberflächenkartierung festgestellten Grenze zwischen subalpiner und Vorland-Molasse. Auch der Öffnungswinkel des Keils schwankt. Dieser Keil kann kaum mit einer entsprechenden Mächtigkeitszunahme von Schichten der Unteren Süßwassermolasse erklärt werden, zumal in den Aufschlüssen der subalpinen Molasse dafür keine Anhaltspunkte vorliegen. Es liegt daher der Verdacht nahe, daß dieser Keil ein tektonisches Element darstellt, also Strukturen enthält, die kaum anders als durch einen weit unter die Vorland-Molasse reichenden dachziegelförmigen Schuppenbau erklärt werden können. Da sich dieser Keil in derselben strukturellen Position von der Schweiz bis nach Österreich findet, dürfte er als ein integrierender Bestandteil des Baustils am Alpen-Nordrand angesehen werden. Die tektonische Nordgrenze der Alpen würde demnach nicht an der durch Oberflächenkartierung nachgewiesenen Stelle liegen, sondern einige km weiter im Norden innerhalb der Vorland-Molasse.