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Paläontologische Untersuchungen zur Flysch-Sedimentation.

Seilacher, A.

Kurzfassung

Diskussionsbemerkung: E. KRAUS: Den sehr interessanten und klaren Ausführungen ist zu entnehmen, daß Herr M. RICHTER noch immer festhält an seiner, nach meinen Beobachtungen nicht zutreffenden Aufteilung der Sigiswanger Kreideflyschdecke, auch an einer neu definierten "Liebensteiner Decke" und an der von H. P. CORNELIUS und mir früher gleichfalls abgetrennten Feuerstätter Decke. Denn beide Decken bestehen aus dem mehr oder weniger geschuppten Klein- und Groß-Schollenwerk des Wildflysches. Ein solcher findet sich in den Alpen wie auch in anderen Gebirgen allein unter bzw. am Rande einer großen Decke, unter die sich zeitweise - da sie oben, gestaut, festliegt - ein bewegter Vorland-Untergrund hineingeschoben hat. Zwischen Decke und Untergrund sammelt sich "Wildflysch", das heißt Sediment und exotisches Gestein, das auf dem Untergrundsrücken an und unter den Deckenrand herangeschoben, abgeschert, hier angeschoppt, dort ausgewalzt wird: Ein Schollenwerk verschiedenen Alters mit "exotischem Gestein" dann, wenn dessen Herkunft infolge der Deckenunterschiebung nicht mehr feststellbar ist; auch exogen ein Schollenwerk mit gelegentlich Hütten-großen Blöcken, wenn der Deckenrand eine Insel bildete, und durchsetzt mit den "Wildflysch-Sandschaler-Foraminiferen" als biotopische Folge der Meeresbodenunruhe. Hört vorübergehend der Unterschub auf, so kommt es zum Sediment der Leimernfazies. Herr M. RICHTER nimmt an, daß der südliche Flysch (Oberstdorfer Fazies in Allgäu-Vorarlberg) etwa ab Mittelbarreme-Unterapt im W auf "penninischem" Untergrund abgelagert wurde. Dies könnte in der Schweiz ein Deckenteil sein, der bereits seine penninische Hauptwanderung in die Nachbarschaft der Helvetiden-Heimat hinter sich hatte. Jener Oberstdorfer Flysch, soweit er in der Schweiz überhaupt nachweisbar ist, nahm aber - nach meinen Beobachtungen - noch nicht an der penninischen Decken-Hauptwanderung teil, sondern wurde erst in einem präzenomanen Meeresbodentrog, genähert dem helvetidischen Heimatgebiet, abgelagert: Raum-zeitliche Definitionen verlangt das Gebiet großer Decken, soll verstehbare Ordnung zustande kommen.