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Die Fauna des Essener Grünsandes und ihre Erforschung seit GOLDFUSS

Arnold, H.

Kurzfassung

Ein Aufschluß bei Bochum im cenomanen Essener Grünsand zeigt - auch im Lichtbild gut erkennbar - den typischen Aufbau dieses Grünsandes, der im Ruhrgebiet öfters fossilreich entwickelt ist und zahlreiche kennzeichnende Versteinerungen enthält. Die klassischen Fundpunkte lagen dicht südlich und südwestlich von Essen und sind vollkommen überbaut. Die Erforschung des Essener Grünsandes vollzog sich in drei Perioden. In der ersten Periode (1824-1859) wurde die Gesamt-Fauna beschrieben und danach die erste stratigraphische Einstufung vorgenommen. Aus dieser Zeit sind besonders die Arbeiten von GOLDFUSS und den Gebrüdem ROEMER zu nennen; ihre Arbeitsweise läßt sich aus ihren durch Abbildungen ergänzten Art-Beschreibungen ableiten. Die zweite Periode (1860-1900) brachte viele paläontologische Spezial-Arbeiten. Hier sind anzuführen die Bearbeitung der Cephalopoden durch CL. SCHLÜTER und seine Oberkreide-Gliederung, die verschiedenen Studien über die Foraminiferen, die Pharetronen (Kalkschwämme), die Brachiopoden und die Faunengemeinschaft in Klippenfazies von Mülheim-Broich und Billmerich b. Unna. In der letzten Periode (seit 1900) wandte sich das Interesse von der reinen Faunen-Beschreibung mehr und mehr der Petrogenese und Stratinomie zu. BÄRTLING wies nach, daß der Grünsand nur eine Fazies ist, die im Südwesten sämtliche Genoman-Stufen umfaßt, nach Osten sich aber zunehmend auf das tiefe Cenoman beschränkt und dann durch Mergel-Fazies ersetzt wird. Zwischen 1920 und 1930 wurden die schwierigen Verhältnisse am Kassenberg mehrfach diskutiert; J. BÖHMS Listen der dortigen Klippen-Fauna enthalten leider viele nomina nuda. Einen gewissen Abschluß erhielt die Bearbeitung durch KUKUKS Schilderung des Steinkohlen-Deckgebirges (1938). Bei dem Studium des Cenomans ergeben sich viele interessante Probleme und Fragen, die unter anderem die Mächtigkeitsverhältnisse, die Paläogeographie, den Glaukonit-Gehalt, die limnisch-brackige Ausbildung des Cenomans, die starken Unterschiede in der Fossilführung (nach Arten- und Individuen-Zahl), die biofazielle Charakterisierung der Grünsande der westfälischen Oberkreide sowie die Schwierigkeiten biostratigraphischer Grenzziehung zwischen Alb und Cenoman betreffen. Einerseits besteht jetzt bei Tiefbauten neue Sammelmöglichkeit, andererseits lagert seit langem im Werdener Magazin des Ruhrland-Museums zu Essen großes, meist unbearbeitetes Fossilmaterial. Schichtweise Aufsammlungen, Bearbeitung der Ostracoden und Revision besonders der Muscheln und Schnecken sind erwünscht.