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Der Fund eines Wisentskelettes im Quartär von Gladbeck

Siegfried, P.

Kurzfassung

Im Jahre 1957 wurden bei Ausschachtungsarbeiten in Gladbeck/Westf. große Teile eines Wisentskeletts gefunden, ohne das für die Bestimmung wesentliche Schädeldach. Der Fund wurde pollenanalytisch als präboreal bestimmt. Die Frage der Gattungsmerkmale von Bison und Bos nach dem Körperskelett wurde durch die Gegenüberstellung einzelner Knochenelemente behandelt. Brauchbare Unterscheidungsmerkmale sind vor allem an den Halswirbeln, an der distalen Gelenkfläche des Radius und an den Metapodien festzustellen. Die auffallend geringe Länge der Dornfortsätze an den Brustwirbeln des Skeletts von Gladbeck ist mit dem jugendlichen Alter und weiblichen Geschlecht des Tieres zu erklären, für das ebenfalls der besonders schlanke Bau der Metacarpalia und die fehlende Verwachsung der Epiphysen bei den Wirbeln und Extremitätenknochen sprechen. Danach kann das Skelett einer 3-4jährigen Kuh eines Bison bonasus zugeschrieben werden. Von den rezenten Vertretern der Art unterscheidet sich das Skelett aus dem Präboreal durch seine längeren und stärkeren Extremitätenknochen. Das Körperskelett eines Bison bonasus aus dem Früh-Holozän ist bisher aus dem europäischen Raum nicht bekannt geworden. (Vgl. N. Jb. Geol. Paläont., Abh. 112/1, Stuttgart 1961.)