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Neues zur Stratigraphie und Soziologie der Westfal-Flora des Ruhrkarbons

Josten, K. H.

Kurzfassung

Die stratigraphische Verbreitung der wichtigsten Pflanzen-Fossilien des Ruhrkohlenbeckens wurde auf Grund von über 4000 neuen Funden revidiert. Mehrere Arten, die z. T. großen stratigraphischen Wert besitzen, konnten in Schichten nachgewiesen werden, in denen sie bislang noch nicht bekannt waren. Aus der Gattung Neuropteris wurde eine neue Species beschrieben, die im oberen Westfal B (Horster Schichten) und besonders im unteren Westfal C (Dorstener Schichten) vorkommt. Die Art stellt ein morphogenetisches Bindeglied zwischen den Formgattungen Neuropteris und Reticulopteris dar. Die Beschreibung der neuen Art erscheint in der Paläont. Z., 36, 1962. Darüber hinaus ist die Häufigkeit der verschiedenen Pflanzen in den stratigraphischen Abschnitten wie z. B. den Unteren oder Mittleren Bochumer Schichten ermittelt worden. Unter Berücksichtigung sowohl der vertikalen Verbreitung als auch der relativen Häufigkeit der einzelnen Arten lassen sich das Westfal A, B und C im Ruhrgebiet floristisch gut gliedern. Deutliche Änderungen der Florenzusammensetzungen liegen beispielsweise in den Mittleren Bochumer Schichten, ferner an der Grenze Westfal A/B (Flöz Katharina) und in den Oberen Dorstener Schichten im Bereich der Flözgruppe Odin-Parsival. Nähere Einzelheiten werden in Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 3, 2 unter dem Titel "Die wichtigsten Pflanzen-Fossilien des Ruhrkarbons und ihre Bedeutung für die Gliederung des Westfals" veröffentlicht. GOTHAN und mehrere andere Autoren haben bereits darauf hingewiesen, daß manche Kohlenflöze im Hangenden einen charakteristischen Pflanzenhorizont haben. Nach eigenen Untersuchungen im Ruhrgebiet und im Ibbenbürener Karbon sind es z. T. bestimmte Pflanzengemeinschaften, z. T. aber auch einzelne Gattungen oder Arten, die derartige Horizonte charakterisieren. Sehr oft sind in den verschiedenen Pflanzenvereinen entweder die Lepidophyten (Sigillarien, Lepidodendren) oder die Farne und farnlaubigen Gewächse vorherrschend. An Steinkohlenbohrungen im Ruhrgebiet wurde nun festgestellt, daß die Pflanzenvereine auch in der Vertikalen vielfach gleichbleiben; nicht selten treten in einem Schichtenpaket bis zu 5 m oder mehr Mächtigkeit die gleichen Pflanzen in auffallender Wiederholung auf. Dazu wurden mehrere Beispiele aus verschiedenen stratigraphischen Niveaus angeführt und erläutert. Der gute Erhaltungszustand der Pflanzen - besonders bei zarteren Wedeln - spricht dafür, daß sie keinen weiten Transport mitgemacht haben. Wahrscheinlich sind sie innerhalb ihres Standortes auch im Sediment eingebettet worden. Diese Feststellung und die Pflanzenvereine, die häufig im Hangenden der Kohlenflöze über mehr oder weniger weite Entfernungen aushalten, lassen den Schluß zu, daß die Vegetation der Karbon-Moore vielfach in einzelne, wahrscheinlich recht eintönige Pflanzengemeinschaften aufgegliedert war.