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Eine marine Unterkarbon-Faunula von Präg im Südschwarzwald

Sittig, E.

Kurzfassung

Die Kulmzone von Badenweiler-Lenzkirch im Südschwarzwald stellt einen fast ununterbrochenen schmalen Streifen devonischer und unterkarbonischer Sedimente und Vulkanite dar, welcher in sanftem West-Ost gestrecktem Bogen die Zentralschwarzwälder Gneismasse im Süden umrahmt. Die in das Grundgebirge eingefalteten Sedimente haben bisher nur wenige organische Reste geliefert: einen Ganoidfisch Elonichthys scheidi GERHARDT 1899, einen Goniatiten Prolecanites cf. lyoni SPIEGELHALTER 1910, Pflanzenreste (SANDBERGER 1890). Im Jahre 1957 wurde bei Präg eine kleine Fauna des marinen Benthos entdeckt, die nach den Untersuchungen des Vortragenden einen ausgesprochenen Visé-Charakter hat. Folgende Formen wurden erkannt: Foraminifera: → Endothyra sp. Coralla: → Zaphrentoides? sp.; cf. Cladochonus sp. Brachiopoda: → Schizophoria resupinata (MARTIN); Rhipidomella sp.; Schuchertella sp. aff. portlockiana (v. SEMENEW); Schuchertella fascifera (TORNQUIST); Chonetes cf. mosensis DEMANET; Productus (Overtonia) laciniatus M'COY; cf. Productus (Overtonia) fimbriatus SOWERBY; Productus (Eomarginifera) sp.; Spirifer bisulcatus SOWERBY; Spirifer cf. convolutus PHILLIPS; Phricodothyris sp.; Spiriferellina cf. insculpta (PHILLIPS); Syringothyris? sp. Lamellibranchiata: → Leiopteria hirundo DE KONINCK; Parallelodon bistriatus (PORTLOCK) Trilobita: → Brachymetopus (Brachymetopina) silvaticus n. sp.; Brachymetopus (n. subgen. aff. Brachymetopus) sp. Ferner sind Bryozoen, Gastropoden und Echinodermen vorhanden, die nicht untersucht wurden. Kleinwüchsigkeit der Formen und Artenarmut sprechen dafür, daß es sich um eine Kümmerfauna handelt. Diese Visé-Faunula findet sich an der Kälberwaid bei Präg in einem etwa 5 Meter umfassenden Horizont von feinsandigen dolomitischen Mergeln mit Einlagerungen von bituminösen oolithischen und auch dichten Kalken, welcher mit durchschnittlich 50° nach WNW einfällt und unter Vermittlung eines bunten brekziösen Konglomerates eine mächtige Serie porphyritischer Vulkanite (Glimmerporphyrite, Trümmerporphyre) überlagert. Im Hangenden des Fossilhorizonts folgen 30 bis 40 Meter chloritreiche Schiefer, denen ein 10 m mächtiger vergrünter Brockentuff von vermutlich keratophyrischer Zusammensetzung konkordant eingeschaltet ist. Merkmale einer starken tektonischen Durchbewegung sind an allen Gesteinen, besonders aber innerhalb des Fossilhorizonts in Boudinagen und tektonischen Brekzienzonen sowie in der Lagerung gegeben.