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Stratigraphische und tektonische Fragen am Südende des Schwarzwaldes

Stellrecht, R.

Kurzfassung

Im Gebiet der Flexurzone des Oberrheingrabens südlich von Kandern und den östlich anschließenden Weitenauer Vorbergen ergeben sich einige Probleme, die von LUTZ 1958, STOBER 1954 und dem Vortragenden neu bearbeitet wurden. Das Unterrotliegende (ru) der Bohrung Wintersingen südsüdöstlich Rheinfelden ist paläontologisch gesichert. Im Hangenden der grauen und grüngrauen Sedimente des ru folgen rund 106 m rote Arkosen und Arkosesandsteine, die faziell dem Oberrotliegenden (ro) zugerechnet werden. Erst darüber folgen Gesteine, die sich einwandfrei mit den Sedimenten des ro der Weitenauer Vorberge vergleichen lassen und bisher als untere, mittlere und obere Abteilung in eine grobkörnig-brecciöse, eine feinkörnig-sandige und eine brecciöse Schichtfolge unterteilt wurden; diese Einteilung gilt schon im Gebiet der nordschweizerischen Bohrungen nicht mehr, denn dort folgen im Liegenden die erwähnten rund 106 m ro. Es wird vorgeschlagen, das ro des Rotliegendtroges der Nordschweiz und der Schopfheimer Bucht in vier Stufen nach lithologischen Gesichtspunkten zu unterteilen, die vorläufig mit ro1 bis ro4 zu bezeichnen sind. Die Ausbildung der brecciösen Stufen ro2 und ro4 im Gebiet zwischen Kandern und dem Wiesental deuten auf eine nahe Troggrenze hin. Die auskartierbare Grenze zwischen kristallinem Grundgebirge und ro-Sedimenten auf der Linie Kandem-Wiesental ist jedoch nicht überall tektonisch bedingt, sondern auf weite Erstreckung eine Auflagerung von ro auf Grundgebirge. Die wohl tektonische Trogbegrenzung liegt also wenig weiter nördlich der heutigen Nordgrenze des ro der Weitenauer Vorberge. Als Grenze zwischen Oberrotliegendem und Buntsandstein wird im Gebiet der Weitenauer Vorberge der durchgehend verfolgbare Karneol-Dolomit-Horizont angesehen. Über diesem Horizont folgt der durch das Fehlen des Eckschen Konglomerates nicht trennbare untere und mittlere Buntsandstein. Neben den Heubergschottern in der Flexurzone südlich Kanderns sind noch weitere Vorkommen bei Schlächtenhaus und Hausen/Wiesental (nach LUTZ) mit gleichem Geröllinhalt bekannt geworden; sie sind den Heubergschottern voraussichtlich altersmäßig gleichzusetzen. Das Gebiet zwischen Kandern und dem südlich davon gelegenen Wollbach-Egerten ist keine reine Flexur, sondern ein Bindeglied zwischen der Randverwerfung nördlich Kanderns und dem Flexurschollengebiet von Lörrach.