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Die Glazialbildungen in den deutschen Mittelgebirgen

Niedermayer, J.

Kurzfassung

Die bisherige Deutung und Gliederung der quartären Bildungen in den deutschen Mittelgebirgen läßt noch viele Fragen offen. In dem sog. "Zwischengebiet" zwischen dem nordeuropäischen und alpinen Vergletscherungsraum könnten manche Probleme gelöst werden, die zu einer Koordinierung der Quartärgliederung im Norden und Süden fuhren sollte. Während im Gebiet von Dänemark-Norddeutschland-Holland auf Grund der einwandfrei nachgewiesenen drei Meeresspiegelschwankungen (erhärtet durch ein dreimaliges Einspielen des mediterranen Karstes auf 3 Meerestiefstände) und der dazugehörigen Transgressionssedimente, nur drei große Vereisungszyklen nachzuweisen sind, wird im alpinen Bereich immer noch mit 4 Eiszeiten operiert, obwohl im Alpenvorland mit Sicherheit nur 3 Moränen vorhanden sind, die durch warmzeitliche Ablagerungen getrennt werden, die den norddeutschen Holstein- und Eembildungen gleichzusetzen sind. Die Parallelisierung von fluviatilen und äolischen Sedimenten im Alpenvorland und in den Mittelgebirgen mit bestimmten Eiszeiten hat sich besonders für das Mittelpleistozän häufig als recht trügerisch erwiesen. Wir können heute annehmen, daß es seit dem Pliozän eine rasche Folge von Kalt- und Warmzeiten gegeben hat, die in Groß- und Kleinzyklen gegliedert werden können, daß es aber nur 3 Eiszeiten gegeben hat, in denen aus besonderen klimatischen Gründen in unserem Klimabereich 3 ausgedehnte und in sich differenzierte Inland- (Norden) und Vorland- (Alpen) Eisvorstöße zu verzeichnen waren. Unter diesen Gesichtspunkten müssen die Glazialbildungen auch in den Mittelgebirgen behandelt werden. Obwohl eine große Zahl ausgezeichneter Spezialarbeiten in diesem Gebiet vorliegen, ist die stratigraphische und z.T. auch die genetische Zuordnung der betreffenden Ablagerungen noch mehr als unvollständig, so daß gerade im "Zwischengebiet" viele Lücken geschlossen werden müssen, ehe wir eine Parallelisierung der norddeutschen und süddeutschen Ouartärbildungen durchführen können.