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Coccolithophoriden-Gemeinschaften im Tertiär

Martini, E.

Kurzfassung

Bei den derzeit üblichen Aufbereitungsmethoden zur Gewinnung von Mikrofossilien, die zur stratigraphischen Einordnung der Schichten herangezogen werden, wird nur das Material über 0,1 mm untersucht. Die Fraktionen unter 0,1 mm werden nicht berücksichtigt und beim Schlämmen der Gesteinsproben weggespült. Dabei geht jedoch das gesamte Nannoplankton verloren. Vor einigen Jahren wurde besonders von BRAMLETTE & RIEDEL (1954) auf den hohen stratigraphischen Wert des Nannoplanktons hingewiesen, wobei vorwiegend die Coccolithophoriden stratigraphisch wichtige Leitformen lieferten. Die Geschichte der Coccolithophoriden begann 1836, als EHRENBERG in der weißen Schreibkreide winzige ovale und runde Kalkplättchen entdeckte, die er für anorganische Bildungen hielt. Neben diesen Kalkplättchen, die später von HUXLEY (1858) als Coccolithen bezeichnet wurden, entdeckte EHRENBERG stern- und rosettenförmige Gebilde, von denen er einige Exemplare in seiner "Microgeologie" unter der Bezeichnung "Kalkerdige Kristalldrusen" abbildete. Im Jahre 1926 - für die Coccolithen war schon lange die organische Herkunft nachgewiesen - fand TAN SIN HOK in jungtertiären Mergeln in Indonesien erstaunliche Mengen dieser sternförmigen Gebilde und beschrieb sie unter dem Namen "Discoaster" als Skelettelemente unbekannter Einzeller. Weitere Formen, deren Plättchen sich wiederum aus 5 gleichen Einzelteilen zusammensetzen, entdeckte DEFLANDRE 1947 und 1950 und faßte sie in der Familie der Braarudosphaeriden zusammen. Von den meisten Familien sind auch rezente Vertreter bekannt, die zum Verständnis der fossilen Einzelplättchen beitragen. Der bisher älteste sichere Vertreter der Coccolithophoriden wurde im Lias gefunden. Um den stratigraphischen Wert der Coccolithophoriden zu überprüfen, wurden marine Tone, Mergel, Sande und wenig verfestigte Kalke aus dem Tertiär auf ihren Gehalt an Nannoplankton untersucht. Dabei wurden in fast allen Unterstufen des Tertiärs bezeichnende Coccolithophoriden-Gemeinschaften festgestellt, die sich zur stratigraphischen Bestimmung von Sedimentgesteinen mariner Entstehung eignen. Besonders eignen sich die differenzierten Plättchen der Discoasteriden und Braarudosphaeriden zur Kennzeichnung der verschiedenen Gemeinschaften.