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Ein Lophiodon-Fund (Tapiroidea, Mamm.) aus den niederhessischen Braunkohlen

Tobien, H.

Kurzfassung

Im September 1959 wurden im Hauptflöz der Grube Stolzenbach (36 km SSW Kassel) ca. 2 m unter der Oberkante Reste der Tapir-artigen Säugergattung Lophiodon gefunden. Die Grube Stolzenbach liegt am Südrand der Borkener Senke, ihr Hauptflöz ist identisch mit dem der Borkener Tagebaue (UDLUFT & LANG 1959: 347). Dieses Flöz wie die Vorkommen in den Senken von Großenritte, Besse und Ziegenhain gehören zum Komplex der sog. älteren Braunkohlen Niederhessens, der im Liegenden des unteroligozänen Melanientones und des mitteloligozänen Septarientones angetroffen wird. Der Fund - er ist der erste tierische Fossilrest aus den älteren Braunkohlen Niederhessens - besteht aus einem linksseitigen Unterkieferbruchstück mit dem 2.-4. Prämolaren, einem rechtsseitigen Unterkieferbruchstück mit den Alveolen dieser Prämolaren sowie dem Fragment eines linken letzten Molaren. Nach Erhaltungszustand und Fundumständen gehören diese Reste zweifelsohne zusammen und stammen vom gleichen Individuum. Dank der Liebenswürdigkeit der Herren Direktor BOIE (BUBIAG-Frielendorf), Prof. KOCKEL und UDLUFT (Marburg) konnte ich dieses wertvolle Dokument näher untersuchen. Die Gattung Lophiodon Cuv. ist in zahlreichen Arten im europäischen Eozän verbreitet und gehört zu den Charaktertieren dieses Tertiärabschnittes. Die ersten Vertreter erscheinen im Untereozän (Ypresium), im Mitteleozän (Lutetium) erreicht das Genus seine größte Formenmannigfaltigkeit, im tieferen Obereozän (Bartonium/Auversium) ist es nur noch durch 2 Arten vertreten, im höheren Obereozän (Ludium) offensichtlich bereits ausgestorben. Keine der zahlreichen Fundstellen aus diesem Zeitabschnitt (u. a. Montmartre-Gipse, Euzet-les-Bains, Hordwell, Fronstetten, Mähringen, Gösgen) hat bisher Lophiodon-Reste geliefert.