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Oberdevonische Conodonten im Unterkarbon des rheinischen Schiefergebirges und des Harzes

Krebs, Wolfgang

Kurzfassung

Zusammenfassung Im Bereich der Riffmassive von Erdbach-Breitscheid (Dill-Mulde) und vom Iberg-Winterberg (Oberharz), wo zwischen tiefoberdevonischen Riffkalken und unterkarbonischen Sedimenten eine Schichtlücke besteht, wurden Kalke der Pericyclus- und Goniatites-Stufe auf ihre Conodonten-Führung untersucht. Dabei wurde festgestellt, daß in der tieferen und mittleren Pericyclus-Stufe z. T. massenhaft oberdevonische Conodonten ("Geister-Faunen") auftreten, die sich aus Leit-Formen aller Oberdevon-Stufen und der Gattendorfia-Stufe zusammensetzen. In der höheren Pericyclus- und Goniatites-Stufe sind die oberdevonischen Conodonten nur noch sehr vereinzelt oder nicht mehr anzutreffen. In den untersuchten Profilen könnte eine einheitliche quantitative Abnahme der oberdevonischen Conodonten von unten nach oben nicht festgestellt werden. Auch bestehen keine Gesetzmäßigkeiten zwischen Geröll-Führung und Anhäufungen oberdevonischer Conodonten. Die engen Zusammenhänge zwischen der Überflutung der alten Riffschwellen und dem damit schlagartigen Auftreten der "Geister-Faunen" sprechen eindeutig für eine Umlagerung der oberdevonischen Conodonten. Die "Geister-Faunen" müssen teilweise bereits isoliert gewesen sein, bevor sie mit dem unterkarbonischen Kalk- und Ton-Schlamm zur Ablagerung kamen. Zur Erklärung der häufig gut erhaltenen, isolierten Conodonten, die nur sehr selten Korrosions-Erscheinungen aufweisen, werden Lösungsvorgänge an geringmächtigen oberdevonischen Kalken wahrscheinlich gemacht, die mit dem allmählichen Auftauchen der alten Riffschwellen kurz vor der Pericyclus-Stufe bis dicht unter oder über dem Meeresspiegel in Verbindung stehen. Die nur stets an die Riffmassive gebundenen Schichtlücken, "Geister-Faunen", Gerölle und Brekzien werden nicht auf stärkere jungbretonische Bodenunruhen ("nassauische Phase"), sondern lediglich auf geringe epirogene Bewegungen zurückgeführt.