Original paper

Über einige geologisch interessante Stollen- und Tunnelbauten im ostalpinen Raum

Seelmeier, Hans

Kurzfassung

Aus der beachtlichen Zahl der Stollen- und Tunnelbauten, welche in den vergangenen Jahren im ostalpinen Raum ausgeführt wurden, soll hier nur über einige geologisch besonders interessante berichtet werden. Diese Auswahl trifft die Triebwasserstollen der Ennskraftwerke Altenmarkt und Hieflau, dann den Rohrstollen beim Kraftwerk Schwarzach/Pongau und schließlich den Langenberg-Tunnel im St. Pauler Bergland an der im Bau befindlichen Jauntalbahn in Unterkärnten. Die Kraftwerksanlagen Altenmarkt und Hieflau am Ennsfluß liegen in den Nördlichen Kalkalpen, also in einem Raum des klassischen Deckenbaues. Kraftwerk Altenmarkt (Abb. 1): Diese Stufe nützt die morphologische Gegebenheit der großen Ennsschleife nächst der Ortschaft Altenmarkt. Um den Triebwasserstollen nicht in den Terrassenschottern, welche hier eine Mächtigkeit von über 80 m haben, auffahren zu müssen, wurde die Stollentrasse nach NE gerückt. Damit gelangte man in eine bedeutende Störungszone, nämlich in den Grenzbereich zwischen der Lunzer Decke und der darüber liegenden und auch bewegten Scholle des Hainbachsteines. Die Lunzer Decke besteht hier aus Hauptdolomit, welcher transgressiv von Gosaumergel und Gosausandstein überlagert wird, und in diese Serie scheinen von oben her Gesteine der höheren Trias und der Juraformation eingefaltet. Darüber hinweg wurde die Scholle des Hainbachsteines bewegt, deren Bauelemente sich hier aus dem Haselgebirge und Hauptdolomit zusammensetzen. Das Haselgebirge, der tonige Repräsentant des Werfener Niveaus, und das wirtschaftlich so bedeutungsvolle alpine Salzgebirge (Salztone) ist vielerorts gipsführend, so auch in der Umgebung von Altenmarkt.